Reisebüros widersetzen sich den Statistiken (Ausgabe 2014-51)

Einheitliches Bild ist nicht zu erkennen

Man sollte meinen, dass die späten Osterfeiertage, die Fussball-WM in Brasilien oder das regnerische Sommerwetter dieses Jahr die Reisefreude unserer Landsleute wieder geweckt hat. Andererseits liegt aber klar auf der Hand, dass das Reisejahr 2014 kein einfaches für die Branche war. Viele Kunden liessen sich – zum Teil unbegründet – ihre Reiselust durch die anhaltenden Unruhen und Krisen, Streiks oder durch die Ebola-Epidemie gänzlich vermiesen. Ein Blick auf den Buchungsbarometer der Reise-Treuhand AG lässt da auch eher auf Letzteres schliessen. Die Umsatzzahlen der zwanzig befragten Reisebüros bewegen sich bis auf den Februar nämlich allesamt im Minusbereich. Besonders schwach zeigt sich der Monat November mit –12,7%; ausgerechnet der Monat, der letztes Jahr noch mit einem Plus von 4,6% brillieren konnte. 

Die Umfrage von TRAVEL INSIDE bei unabhängigen Retailern liefert erfreulichere Resultate. Alle sechs befinden sich mit ihrem Umsatz auf Vorjahresniveau oder leicht darüber. Auch auf der Sommerleute-Tour, auf der das TI-Redaktionsteam mehr als 70 Reisebüros in der Deutschschweiz besuchte, berichteten diese von einem guten bis sehr guten Geschäftsgang und zahlreichen Vorausbuchungen für Herbst und Winter.

Die Reisebüros zielen in erster Linie auf kommissionsstarke Produkte der Prioritätspartner, jedoch ist das Wissen von kleineren Spezialisten gerade bei Individualreisen verstärkt gefragt. Wie sich herausstellt, vertrauen die Schweizer besonders in diesem Bereich wieder zunehmend auf kompetente Beratung und Service im Reisebüro. Da lohnt es sich mehr denn je, auf die genauen Bedürfnisse der Kunden einzugehen und diese durch einen persönlichen und massgeschneiderten Service an sich zu binden. Gerade in Zeiten, in denen nicht nur «Digital Natives» wissen, wie man eine Buchung online abschliesst. 

Bemerkenswert ist, wie die jetzt Befragten dem neuen Jahr mehrheitlich optimistisch entgegenschauen. Dieser Optimismus lässt sich zum einen bestimmt mit den bereits eingegangenen Buchungen für nächstes Jahr begründen, zum anderen aber auch mit der geleisteten Arbeit und der Flexibilität (z.B. angepasste Öffnungszeiten und zusätzliche Dienstleistungen), die die Reiseberater an den Tag legen. 

Weshalb die Resultate bei den einzelnen Retailern letztlich dermassen unterschiedlich sind, darauf hat wohl niemand so richtig eine Antwort. Aber wie ein deutscher Dichter einst gesagt hat: «Statistisch gesehen lässt sich alles verdrehen.»