Überraschende Wende bei den Vorzugspreisen: Im Rahmen einer
Full-Content-Vereinbarung zwischen den Fluggesellschaften Lufthansa und
Swiss sowie Sabre können Reisebüros in Deutschland, Österreich und der
Schweiz über dieses GDS auf sämtliche Tarife auch die viel
diskutierten Vorzugspreise und Verfügbarkeiten zugreifen und diese
buchen, ohne dass ihnen von Swiss oder Lufthansa die GDS-Gebühren von 8
Franken pro Coupon verrechnet werden. Voraussetzung dafür ist jedoch,
dass die Reisebüros den soeben erhaltenen Vertrag für das
Preferred-Fares-Modell unterzeichnen.
Swiss und Lufthansa sprechen von einer guten Nachricht für die
Reisebüros. «Sabre ist ein wichtiger Partner in unserer
Distributionsstruktur. Dank der Vereinbarung mit Sabre ist es uns
möglich, den Wettbewerbsvorteil von Swiss auszubauen und gleichzeitig
den Reisebüros, die Sabre nutzen, sämtliche Swiss-Tarife ohne
zusätzliche Entgelte zur Verfügung zu stellen», erklärt Harry
Hohmeister, Chief Network & Distribution Officer und Mitglied der
Geschäftsleitung von Swiss.
Für Martin Cowley, Senior Vice President Sabre Travel Network für
Europa, den Nahen Osten und Afrika, bringt die Vereinbarung nicht nur
den bestehenden Sabre-Kunden Vorteile, sondern auch Neukunden, die das
GDS im Rahmen des weiteren Wachstums in Europa hinzugewinnen möchte.
Cowley: «Es ist unsere bewährte Philosophie, Lösungen zu erzielen, die
die Anforderungen aller Beteiligten in der Branche erfüllen.»
Alles andere als euphorisch kommentiert Hans-Jörg Leuzinger, Präsident
des Schweizerischen Reisebüro-Verbandes (SRV), diesen Deal: «Ich finde
es grundsätzlich gut, dass sich
etwas bewegt, und anerkenne diese Vereinbarung als willkommene Geste.
Doch es reicht bei Weitem nicht. Aussenstehende könnten meinen, die
Probleme seien damit vom Tisch. Dem ist nicht so, das habe ich Harry
Hohmeister auch wissen lassen. Man kann mit mehr Schreiben und Reden
etwas Schlechtes nicht besser machen. Es ist reine Augenwischerei, denn
auf alle unsere brennenden Fragen wird weiterhin nicht eingegangen.
Zudem ist es ein auf ein Jahr befristetetes Abkommen. Dann muss neu
verhandelt werden. An unserer Haltung ändert sich nichts. Wir
werden den Druck aufrecht erhalten und weiter dazu aufrufen, den
Vertrag nicht zu unterzeichnen. Gleichzeitig laufen in der Schweiz und
in Deutschland juristische Abklärungen. Ich hoffe, dass die
Wettbewerbskommission den Ball aufnimmt und das Modell der Preferred
Fares hinterfragt. Wir gehen immer noch davon aus, dass da mehr
dahintersteckt als nur die angekündigten GDS-Gebühren. Denn ist der
Vertrag einmal unterzeichnet, können LH/LX die Beträge jederzeit neu
definieren. Das wäre wie eine Carte Blanche.» Leuzinger glaubt nicht,
dass der Sabre-Deal von LH/LX grossen Druck auf Travelport (Galileo/
Worldspan) und Amadeus ausüben wird: «Als GDS würde ich es als grosse
Provokation empfinden. Aus Deutschland habe ich gehört, dass sich
Amadeus bereits sehr negativ zum Sabre-Schritt geäussert haben soll.»
Der SRV-Präsident setzt auch ein grosses Fragezeichen betreffend
Lufthansa: «Vom Country Manager Schweiz, Mathias Pirkl, habe ich seit
dem 17. Januar nichts gehört und nichts gesehen. Ich frage mich, was
für eine Rolle die Lufthansa in der Schweiz spielt. Ich weiss, dass
Gespräche weiterhin stattfinden, aber auf unsere Fragen oder auf eine
Schweiz-Lösung geht man nicht ein. Ich habe zunehmend Schwierigkeiten,
bei dieser Salamitaktik die Emotionen im Griff zu halten.»
Luc Vuilleumier (STAR-Präsident) unterstützt weiterhin die Haltung und
das Vorgehen des SRV. An die Swiss gerichtet, meint er: «Ich kann
dieses Blabla der Swiss nicht mehr hören. Die sollen das machen, was
sie gut können, nämlich fliegen und die Verträge dem Aktenvernichter
zuführen. Gleichzeitig sollen sie die Ticketpreise erhöhen wie ein
Bäcker, der den Brotpreis erhöht, wenn der Mehlpreis steigt.»
