Schwieriger Jahresstart für die Reisebüros (Ausgabe 2016-13)

2016 als Geduldsspiel für die Retailer

Die Buchungsstände der Retailer zeigen es: Besonders bei Familien haben Reisebüroangestellte derzeit Mühe, ein geeignetes Plätzchen für Ferien zu finden. Nicht nur für die Kunden ist das unerfreulich, auch in den Reisebüros hinterlässt dies Spuren und drückt auf die Umsätze.

Tunesien und Ägypten lassen sich seit längerem nicht mehr verkaufen und auch für die Südtürkei sind die Bedenken bei den Kunden mittlerweile gross. Das ist verständlich, denn neben der Angst vor Terrorismus kommen die diversen Sicherheitsmassnahmen in den Destinationen hinzu. Diese sind zwar hilfreich und nötig, entsprechen bei genauerem Hinsehen nicht gerade der Wunschvorstellung von unbeschwerten Familienferien: Überall Sicherheitspersonal, Detektoren, gepanzerte Fahrzeuge oder Militärs, die mit Waffen patrouillieren. 

Dennoch ist es nicht so, dass die Kunden pessimistisch sind und gar nicht mehr reisen möchten. In diesem Jahr vielleicht nur anders: Destinationen, die man vorher kaum auf dem Radar hatte, werden nun in Betracht gezogen und zeigen Aufwärtstrends. Dazu gehören neben dem Norden beispielsweise auch die Niederlande oder Deutschland. Kataloge, die man im Reisebüro bisher für die «typischen» Familienferien kaum zur Hand nahm, werden nun rege herausgegeben. Ferienhäuser oder Appartements erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Eine weitere Erscheinung ist, dass auch der Reiseweg zum Erlebnis werden soll. Ferien mit dem Auto oder Zug sind gefragte Alternativen, vielleicht mit einem Zwischenstopp in einer spannenden Metropole. Nur ist es für Reisebüros mit solch vergleichsweise «kleinen» Dossiers natürlich schwierig, den Vorjahres-Umsatz zu erreichen.

Umsatzmässig ist der Wegfall der klassischen Familien-Badeferien wahrscheinlich schwierig zu kompensieren. Dennoch sind der Sommer und auch der Herbst noch lange nicht verloren. Dafür sprechen zwei Gründe: Erstens haben viele Kunden durch das gestiegene Sicherheitsbedürfnis mit dem Gang ins Reisebüro gewartet, entschliessen sich aber nun, die Organisation ihrer Ferien unter Dach und Fach zu bringen. So könnte – zeitlich etwas verschoben – doch noch etwas Dynamik in den verhaltenen Buchungsstart kommen. Und zweitens erholt sich vielleicht das eine oder andere Zielgebiet, das jetzt noch als abgeschrieben gilt, in nächster Zeit – wovon Reisebüros insbesondere für den Herbst profitieren könnten.

Jessica Weber