Kosteneffizienzprogramme sind bei Air Berlin schon seit Jahren an der Tagesordnung. Mit Projekten wie «Shape & Size» oder «Turbine» will sich die Airline endlich wieder in Form und auf die Gewinnerstrasse bringen. Nun nimmt Air Berlin auch ihre Töchter ins Visier und schlägt einen härteren Ton an.
Die Sparmassnahmen sollen offenbar auch bei der Schweizer Air-Berlin-Tochter Belair umgesetzt werden. Aus unternehmerischer Sicht erstaunt dieser Schritt nicht, zumal die Unternehmen in bzw. aus derselben Tasche wirtschaften. Vielmehr stellt sich die Frage, warum Air Berlin bei ihren Töchtern nicht schon früher die Schraube angezogen hat. Hat sich die Situation zunehmend verschlechtert oder gibt es vielleicht neue Vorgaben aus dem arabischen Raum?
Wie auch immer die Sparmassnahmen bei Belair umgesetzt werden es muss mit gravierenden Veränderungen gerechnet werden. Entlassungen, Lohneinbussen, gekürzte Vorsorgeleistungen und neue Regelungen der Arbeitszeit sowie der Ferienansprüche werden ihren Tribut fordern. Es ist zu erwarten, dass aufgrund des angespannten Klimas in einer solchen Situation wesentlich mehr Mitarbeitende das Unternehmen verlassen werden auch freiwillig , als dies in der internen Präsentation beschrieben wurde. Und über der ganzen Sparübung hängt das berühmte Damoklesschwert. Führt das Effizienzprogramm nicht zum Ziel, drohe die Schliessung des Betriebs, so heisst es. Und gerade bei Themen wie den Anstellungsbedingungen muss Belair bzw. Air Berlin mit Gegenwind rechnen.
Ein weiteres Thema, welches in diesem Zusammenhang ebenfalls für Diskussionsstoff sorgt, ist die momentane Konkurrenzsituation. Brisant ist vor allem der selbst verursachte Wettbewerb zwischen den Fluggesellschaften der Air Berlin Group, aber auch die Doppelspurigkeiten der Equity-Airlines unter dem Dach der Etihad. Überschneidungen im Streckennetz von Belair/Air Berlin und Etihad Regional werden in Abu Dhabi nicht für Jubel sorgen. Der arabische Carrier ist kein Wohltätigkeitsverein, sondern ein gewinnorientiertes Unternehmen, das durch seine finanziellen Beteiligungen an einem sehr langen und mächtigen Hebel sitzt. Und dies bekommt nun auch die Air-Berlin-Tochter Belair zu spüren.
Die Ziele des Sparprogramms bei Belair sollen offenbar bis Ende 2015 erreicht werden. Spätestens dann wird sich zeigen, wie es um die Zukunft des Unternehmens steht. Bleibt es bestehen, oder wird es verschwinden wie die Boeing 767, die einst den Belair-Schriftzug am Rumpf trug?
Simon Benz
