SRV: «Möglichst viele Büros sind gar nicht unser Ziel» (Ausgabe 2014-44)

Die Zahl der Reisebüros ist auch in diesem Jahr wieder geschrumpft. Der Branchenverband hält die Konsolidierung für notwendig.

Fremde Kulturen, kostenintensive Reisen und beratungsintensive Produkte – das sind Gründe, die Kunden ins Reisebüro führen. Und natürlich der persönliche Kontakt und der Beratungsvorteil gegenüber dem Angebotswirrwarr im Internet. Nur Reisebüros, die in diesen Bereichen etwas zu bieten haben, überleben. Stand September 2014 sind dies schweizweit noch 2025, wovon 1166 der Kategorie A-Reisebüro angehören – sprich eine Kundengeldabsicherung haben. 

Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Reisebüros um über 45 % zurückgegangen, bei den A-Reisebüros betrug der Rückgang sogar 49 %. Und der Konsolidierungsprozess ist noch nicht beendet. Zwar schrumpft die Reisebürolandschaft langsamer als auch schon, aber immer noch stetig. Zwischen 2010 und 2011 betrug der Rückgang 5,4 %, zwischen 2013 und 2014 noch 2,1 %.

«Wir sind überzeugt, dass dieser Schrumpfungs- oder Genesungsprozess dringend notwendig war», schrieb SRV-Geschäftsführer Walter Kunz bereits 2013 im Geschäftsbericht seines Verbandes. «Und solange es diese Konsolidierung braucht, wird sie auch weitergehen», sagt Kunz zu den aktuellen Zahlen. Diese stellen die Katalogversandspezialisten der Markus Flühmann AG aus Merenschwand der Branche jährlich zur Verfügung. 

Er sehe die Konsolidierung eher gelassen, sagt Kunz. Der Kuchen werde schliesslich nicht grösser, und so bleibe für jeden ein bisschen mehr. «Unser Ziel ist es ja nicht, dass es möglichst viele Reisebüros gibt, sondern möglichst viele gutgehende.» Das oft besprochene Thema Kommissionierung betrachtet Walter Kunz ganz nüchtern und betriebswirtschaftlich: «Wer einen grossen Teil von den TOs wegshiftet und selber als TO aktiv wird, darf sich nicht wundern, wenn die Kommissionierung zurückgeht. Aber jedes Unternehmen muss sein Geschäftsmodell selber festlegen.»  

Ein Dorn im Auge sind dem SRV-Geschäftsführer dagegen die B-Reisebüros, also jene ohne Kundengeldabsicherung. Diese profitierten von unlauteren Wettbewerbsvorteilen, schadeten der Branche und verstiessen gegen das Gesetz. «Es gibt kein Reisebüro mehr, das nur Retail macht und wenn, dann arbeitet es nicht professionell.» Dynamic Packaging gehöre heute einfach dazu und somit auch eine entsprechende Absicherung. «Ich will nicht sagen, dass diese Reisebüros verschwinden sollen, aber sie können ja von B- zu A-Reisebüros werden», erläutert Kunz. Beim SRV habe man zwischen 2000 und 2013 übrigens nur einen Rückgang von 880 auf 808 Mitglieder zu verzeichnen gehabt, also weniger als 10 %.   

Auch die Zahl der B-Reisebüros ist seit einem Peak mit 893 Büros im Jahr 2002 um 48 % geschrumpft auf heute 463. Allerdings gingen hier fast wöchentlich Büros zu und auf, erklärt Daniel Montani von der Markus Flühmann AG beim Blick in die ihm gemeldeten Mutationen. Ein B-Reisebüro sei leicht zu ersetzen. Die Anforderungen an ein A-Büro seien für Newcomer da schon schwieriger zu erfüllen.

Den Hauptgrund für den Rückgang der Büros sieht Montani in der Konzentration der grossen Veranstalter. Das zeige sich beim Katalogversand deutlich. «Vor zehn bis 15 Jahren haben die drei Grossen noch 1500 bis 1800 Reisebüros mit ihren Katalogen beliefert, heute sind es noch 600 bis 700.» 

Gedruckte Kataloge seien übrigens auch in Zeiten der Online-Kommunikation noch Standard, so Montani. Allein die Preislisten gebe es beim ein oder anderen Katalog nur noch online. «Unser Lagervolumen ist in den vergangenen fünf bis sechs Jahren stabil geblieben», betont Montani. Ein Ende des gedruckten Kataloges sei derzeit nicht in Sicht. 

Stephanie Günzler