SRV Task Force hinterfragt GDS (Ausgabe 2008-08)

An der ersten Sitzung wurde die Haltung des Schweizerischen Reise-büro-Verbandes (SRV) zu den GDS-Gebühren gefestigt.

Am vergangenen Freitag tagte zum ersten Mal die Task Force des SRV zur
neuen Distributionsstruktur von Swiss (LX) und Lufthansa (LH) mit
Vorzugspreisen und GDS-Gebühren. Das Gremium will die geplante
Einführung «mit allen Mitteln bekämpfen». Dazu soll auch ein
juristisches Gutachten erstellt werden. SRV-Präsident Hans-Jörg
Leuzinger: «Der Widerstand ist noch nicht auf dem Höhepunkt. Ich werde
alles daran setzen, dass sich die Branche bewegt und bin bereit, mich
sehr weit aus dem Fenster zu lehnen.»

Swiss setzt auf juristische Beratung. «Selbstverständlich haben wir das
neue Vertriebsmodell juristisch abgeklärt. Neben unseren internen
Anwälten haben wir ein externes Gutachten erstellen lassen, das
wiederum unsere interne Beurteilung bestätigt hat», so Rudolf
Schumacher, Head of Sales & Marketing Switzerland.

Im Kreuzfeuer der Kritik stehen nun nicht unerwartet auch die GDS. Der
SRV teilt mit: «Die Task Force zeigt sich erstaunt, dass die GDS, nach
unserem Stand der Kenntnisse, noch nicht in konkrete Verhandlungen mit
den Airlines getreten sind.»

Eine Reaktion der GDS bleibt nicht aus. So meint Cornel Küng, General
Manager Amadeus Schweiz: «Amadeus ist in konkreten Verhandlungen. Wir
haben schon seit einiger Zeit mit LX und LH über die Full Content
Option diskutiert – schon vor deren Bekanntmachung der neuen
Distributionsstruktur – und werden dies auch weiterhin tun. Die
Verhandlungen haben wir nie abgebrochen. Amadeus hat das
Full-Content-Programm  mit einer Drei-Jahres-Option erweitert, was
die GDS-Vertriebskosten von Swiss und Lufthansa senken würde.»

Chris Dorner, Country Manager Schweiz und Deutschland von Travelport
GDS (Galileo und Worldspan): «Wir haben seit der Ankündigung vor rund
drei Wochen sofort das Gespräch mit LH und LX gesucht. In der
Zwischenzeit haben auch erste Treffen stattgefunden, primär um die
Ausgangslage und das Modell besser zu verstehen.»

Auch Sabre steht in Diskussionen mit beiden Airlines. Volker Fiegen,
Director Corporate Sales Central & Eastern Europe: «Es ist unsere
Intention, wiederholt für ein Modell in der Reiseindustrie zu
plädieren, welches für alle Beteiligten funktioniert. Wir sind der
Überzeugung, dass das derzeitige Modell den grössten Nutzen darstellt.»

Die SRV Task Force geht noch weiter und stellt den Mehrwert der GDS
generell in Frage, wenn der Full Content nicht mehr gewährleistet sei.
«Die Mehrheit der europäischen Airlines bietet über Amadeus Full
Content an. Und natürlich liegt der Mehrwert von GDS auch weiterhin in
einem voll integrierten Buchungsablauf», ist Küng überzeugt.
«Travelport GDS bündelt einen weltweit führenden Inhaltsreichtum von
unter anderem über 450 Airlines, 83000 Hotels, 27 Mietwagenfirmen und
13 Eisenbahnen. Daraus, wie auch durch den Content, der für
verschiedene Benutzer unterschiedliche Relevanz haben kann, ergibt sich
der Mehrwert der GDS», so Dorner. Fiegen zur Situation bei Sabre: «Wir
haben 400 Full-Content-Verträge mit Airlines. Deshalb sind wir davon
überzeugt, auch in Zukunft diesen Full Content für den Markt zu bieten.»
 
Chris Probst

Sind GDS-Kosten gestiegen oder gesunken?

Amadeus spricht von gesunkenen, Swiss von gestiegenen GDS-Segmentkosten. Wie erklären die beiden Seiten diese Diskrepanz?
Cornel Küng, Amadeus: «Wie ich in St.Gallen am Touristiker-Tag erwähnt
habe, sind die Segmentkosten für Swiss bei Amadeus seit 2005
tatsächlich um 12% gesunken. Diese Zahl bezieht sich auf den Markt
Schweiz und Deutschland, einschliesslich unseres Angebots für 2008 auf
Basis eines Drei-Jahres-Full-Content-Agreements.»
Rudolf Schumacher, Swiss: «Wir sprechen klar von gestiegenen Kosten pro
gebuchtes Segment von bis zu 20% (Vergleich 2007 zu 2006). Die Kosten
sind folglich aufgrund von höheren Segmentkosten und höheren Paxzahlen
gestiegen, und genau dies dürfte ja nicht sein.»

Ticketing Deadline Control

Swiss wird per 25. Februar die Ticket Number Notification und
Ticketing Deadline Control anpassen. Ziel ist eine Minimierung von
provisorischen Buchungen und eine Reduzierung der No-shows. Der
Entscheid wurde laut Rudolf Schumacher unabhängig von Drohungen aus
Reisebürokreisen gefällt: «Das hat nichts mit der geplanten Einführung
des Preferred-Fare-Modells zu tun, ist schon länger geplant und wird im
Übrigen nicht nur im Markt Schweiz, sondern weltweit
eingeführt.»   

CP