Stabile Lehrlingszahl: Branche hat kein Nachwuchsproblem (Ausgabe 2014-34)

Das Problem besteht viel eher darin, genügend Fachkräfte langfristig in der Reisebranche halten zu können.

Dieses Jahr traten total 185 Lehrlinge ihre Ausbildung in der Outgoing-Reisebranche an, also leicht mehr als im Vorjahr. «Von den Spitzenzeiten vor zehn Jahren, als bis zu 220 Lehrlinge pro Jahr starteten, sind wir weit weg, aber das reflektiert die Konsolidierung in der Branche», erklärt Beat Knecht, Leiter Aus-/Weiterbildung beim SRV. Mit der stabilen Zahl ist er sehr zufrieden: «Auf dieser Stufe ist die Reisebranche nicht weniger attraktiv geworden. Reisebranchenjobs sind weiterhin gesucht und es gibt kaum eine Lehrstelle, die nicht besetzt wurde. Man kann also nicht von Nachwuchsproblemen sprechen.»

Knecht ist sich bewusst, dass nicht alles rosig ist: «Es gibt die Abwanderung in höher bezahlte Branchen weiterhin. Wir stellen einen Knick um die Altersgrenze 25 fest. Das heisst umgekehrt, dass die meisten Lehrlinge ihre Lehre abschlies-sen und anschliessend mehrere Jahre in der Branche ihre Sporen abverdienen. Die Branche muss sich überlegen, wie sie diese Personen längerfristig binden kann.» Statt eines Nachwuchsproblems gebe es also eher einen Fachkräftemangel auf höherer Stufe.

Analysiert man die Tabelle unten genauer, fällt auf: Das Lehrstellenwachstum kommt vor allem aus der Romandie, bzw. von Kuoni und Hotelplan. Und: Die «Top 12» vereinen rund 80% des Lehrstellenangebots auf sich. «Es macht uns schon Sorgen, dass die klas-sischen Reisebüros weniger ausbilden», gesteht Knecht. Dabei seien Lernende ab dem zweiten Lehrjahr trotz des Aufwands «gute Investitionen für den Betrieb».

Im Übrigen wird der Lehrlings-Jahrgang 2014 erstmals das 2012 lancierte E-Learning «scharf» brauchen. Aktuell sind zehn Module verfügbar; ab Oktober dann 15.

Jean-Claude Raemy