HLX und Air Berlin Holidays werden ihre Online-Reisebausteine ab 2015 in der Schweiz vertreiben: Die beiden Unternehmen von Karl-Heinz Kögel verlegen ihren Sitz von Baden-Baden ins nahe Basel. Es sei «unerheblich», von welchem Standort aus Reisepakete ins Netz gestellt werden. Ausschlaggebend für einen Umzug in die nahe Schweiz dürften demzufolge steuerliche Gründe sein.
Viele Firmen mit Wurzeln im Ausland haben ihre europäischen oder gar globalen Hauptsitze inzwischen in der Schweiz, auch und gerade Reiseunternehmen. Etwa Kayak in Zürich, Holidaycheck in Bottighofen, MSC Cruises in Genf, E-Hoi in Herisau oder die LH&E Management in Ermatingen. Sie profitieren von denselben Vorteilen, welche auch Google, Trans-ocean und weitere Unternehmen in die Schweiz gelockt haben: Hier müssen Firmen je nach Kanton rund 10 bis 20% des Gewinns dem Staat abliefern, in Deutschland, Frankreich oder Spanien sind es rund 30%. Auch wenn die «Steueroase Schweiz» zunehmend unter Druck gerät: Die Steuerkonditionen im Ausland verschlechtern sich schneller als jene in der Schweiz.
Doch das allein ist es nicht. Thomas Cook hat kürzlich die Produktionseinheit «Auto-/Städtereisen» nach Pfäffikon/SZ verlegt, FTI tut dasselbe mit der Modular-Einheit. Für solche Moves sprechen neben steuerlichen Motiven auch der relativ einfache Zugriff auf hoch qualifiziertes Personal, bei FTI etwa auf einen grossen Teil der bisherigen Flextravel-Crew. In der Schweiz ist es dank Personenfreizügigkeit und hohen Löhnen nicht schwierig, ausländisches Personal zu finden. Dass bei FTI vom Münchner Modular-Personal dennoch fast niemand nach Zürich gewechselt hat, soll auf Kommunikationsmängel zurückzuführen sein.
Es ist davon auszugehen, dass weitere (Online-)Reiseunternehmen ihren Sitz in die Schweiz verlegen werden. Trotz den vielen Änderungen in der Branche ist die Chance, wieder einen Job zu finden, also gross.
Jean-Claude Raemy
