Sturm der Entrüstung: Agenten sauer auf Swiss und Lufthansa (Ausgabe 2008-04)

Bei Buchungen über die GDS sollen die Reisebüros ab Oktober eine Gebühr von 8 Franken pro Segment bezahlen.

Neu ist die Idee nicht, aber der Zeitpunkt der Ankündigung einer neuen
Distributionsstruktur von Swiss (LX) und zeitgleich auch von Lufthansa
(LH) kommt für viele überraschend.
Das Modell sieht vor, dass die bisherigen, publizierten Tarife um 25
(Oneway) und 50 Franken (Retour) angehoben werden und nach wie vor in
den vier GDS kostenlos gebucht werden können.

Wer von den alten, tieferen Tarifen – diese heissen neu Preferred Fares
– profitieren will, muss mit Swiss/Lufthansa einen Vertrag abschliessen
und obendrauf pro im GDS gebuchten Flugsegment eine Gebühr von 8
Franken berappen. Mit diesem System wollen die Airlines ihre
Vertriebskosten senken. Als Alternative will Swiss den Reisebüros ein
Online-Agentenportal zur Verfügung stellen – einen Bypass der GDS.

Die Reaktionen in der Reisebranche auf diese Ankündigung fallen heftig
aus. Der Schweizerische Reisebüro-Verband (SRV) bildet eine Task Force
und will nicht klein beigeben. SRV-Präsident Hans-Jörg Leuzinger
bezeichnet das Vorgehen von LX/LH als «Schnellschuss, der unter gar
keinen Umständen akzeptiert werden kann». Auch die grossen TOs sind
alles andere als glücklich. Roger Zintl (Kuoni) beispielsweise sieht im
Moment mehr Fragen als Lösungen. Die GDS, mit welchen LX/LH offenbar im
Vorfeld das Gespräch nicht gesucht haben, hoffen, dass eine für alle
Seiten akzeptable Lösung gefunden werden kann.

Luc Vuilleumier, CEO der Swiss Travel Association of Retailers (STAR),
findet das Vorgehen der Airlines mutig: «Man kann’s ja probieren.
Kinder müssen sich auch zuerst die Finger an der Herdplatte verbrennen,
um zu lernen. Entscheidend ist die Frage, ob Swiss tatsächlich ein
Agentenportal implementieren kann, das die GDS gleichwertig ersetzt,
was ich nicht denke. Die Kosten, die LX/LH bei den GDS einsparen,
müssen sie gleich wieder für das neue System ausgeben. Sie müssten
zudem fest zusichern, dass sämtliche Tarife verfügbar sind, und das
Portal nicht für Endkunden zugänglich ist.»

Vuilleumier wird nicht selber aktiv, um Branchenlösungen zu finden:
«Wenn ich angefragt werde, bin ich gerne dabei, um zu helfen. Ich
wünsche den GDS viel Kraft in den Verhandlungen; sie sollen hart
bleiben.»