Swiss-Rückzug aus Basel (Ausgabe 2014-30)

Marke Swiss wird geschwächt

Eigentlich grenzt es an Ironie: Der Hauptsitz der Swiss ist weiterhin Basel. Die eigenen Maschinen fliegen den lokalen Euroairport aber bald nicht mehr an. Wegen des mickrigen Marktanteils (im Verbund mit LH/AUA noch rund 15% gegenüber rund 55% von Easyjet) hat Swiss nun die Notbremse gezogen. Ab Frühjahr 2015 wird Konzernschwester Eurowings in den Ring steigen.

Swiss verhindert damit, eine eigene Billigmarke aufbauen zu müssen, die möglicherweise das Qualitätsimage tangiert hätte, und es wird den seit Jahren anhaltenden Verlusten in Basel ein Ende gesetzt. Das Hin und Her von Swiss in Basel nimmt damit auch ein Ende: 2003 waren die Flüge ab Basel halbiert worden, 2006 wurde das Sitzplatzangebot wieder um 40% erhöht, 2009 dann aufgrund von Gewinneinbrüchen wieder abgebaut. Die Marktstellung der früheren Crossair wurde nie erreicht. Und gegen das stete Wachstum von Easyjet wurde lange Zeit nicht vorgegangen. Dass die ursprünglich für den Ersatz der in Basel verwendeten Avro-Jumbolinos angedachten Bombardier C-Series weiter auf sich warten lassen, wird das seine zum Rückzug beigetragen haben.

Ob die Rechnung für den Lufthansa-Verbund aufgeht, wird sich zeigen. Die Etablierung von Eurowings bzw. deren Schweizer Ableger in Basel wird kostspielig sein. Immerhin garantiert der Lufthansa-Konzern weiterhin die Anbindung von Basel am internationalen Luftverkehr, mit Lufthansa/AUA/Brussels im Hub-Verkehr sowie Eurowings im Point-to-Point. Nur wird die Markenidentifikation mit Swiss in Basel sowie im ganzen Heimmarkt unterhöhlt. 

Das ist insofern problematisch, als der «National Carrier» von einem der drei grossen Landesflughäfen verdrängt wurde. Und auch in Genf ist Easyjet dominant. Dort hat Swiss eine andere Strategie gewählt, mit einem eigenen Billig-Modell, dessen Erfolg sich noch weisen muss. Bleibt der Erfolg auch in Genf aus, könnte wieder eine «LH-Gruppenlösung» in Betracht kommen. Die Verschmelzung mit der Lufthansa-Gruppe zieht sich so oder so fort. 

Jean-Claude Raemy