«Weil Swiss und Unique gemeinsam im Wettbewerb mit anderen europäischen Hubsystemen stehen und zunehmend einer drohenden Konkurrenz durch interkontinentale Hubs, zum Beispiel Dubai, ausgesetzt sind, ist es wichtig, dass wir mit unserer Systempartnerschaft Hand in Hand arbeiten», erklärt Josef Felder, CEO von Unique (Flughafen Zürich AG). Nur mit einer guten Zusammenarbeit zweier starker Partner sei es möglich, Win-win-Situationen zu schaffen und die Prozesse effizient zu gestalten.
Dies unterstreicht auch Swiss-CEO Christoph Franz: «Die gemeinsame, bittere Vergangenheit ist Motivation für die Zukunft. Systempartnerschaft bedeutet, über den Tellerrand hinauszuschauen. Diese Qualität der Zusammenarbeit ist ein deutlicher Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Hubs.»
Als Beispiel für die Systempartnerschaft nennt Franz die Gebühren am Flughafen Zürich, die schon oft zu Diskussionen geführt haben: «Natürlich sind wir nie zufrieden mit der Höhe der Gebühren, das ist ja selbstverständlich. Aber gerade bei solchen Themen zeigt sich der Vorteil der Systempartnerschaft. Wir erreichen viel mehr, wenn wir nicht vor Gericht streiten, sondern uns mit Unique an den gleichen Tisch setzen.»
Weitere Beispiele für die «gelebte» Systempartnerschaft sind das Benutzerkonzept Swiss-Europaflüge im Dock A, Langstrecke im Dock E, Flüge nach gleichen Destinationen aus der gleichen Zone, kürzere Umsteigezeiten; der «Seamless Hub Zürich» werde immer beliebter oder das Airport Steering. «Die Steuerungs- und Koordinationsaufgaben der wichtigsten Dienstleistungserbringer sind mit dem Airport Steering in einem Raum vereinigt. Das System Flughafen wird im Dienst der Kunden und zum Nutzen aller beteiligten Flughafenpartner weiterentwickelt, wobei Swiss im Airport Steering als Lead Customer die operationellen Interessen aller Fluggesellschaften wahrnimmt. So können immer wieder Schwachstellen zu Tage gebracht und verbessert werden», so Felder.
Dass sich die Swiss für optimale Rahmenbedingungen engagiere, bedeute zwar viel zusätzlichen Aufwand, sei aber nicht nur für Swiss, sondern auch für alle anderen Airlines wichtig, betont Franz. «Swiss als Hub-Carrier ist am Flughafen Zürich in einer besonderen Stellung und geniesst Sonderleistungen. Die anderen Fluggesellschaften anerkennen dies jedoch und schätzen dafür die einheitliche Preispolitik von Unique, denn in diesem Bereich geniesst Swiss keine Sonderstellung», meint Felder.
Aktuelle Herausforderung für die Systempartnerschaft am Flughafen Zürich sind die Beschränkungsvorlagen (siehe Box). Die Plafonierung wurde sowohl von Franz wie auch von Felder zur Chefsache erklärt. Die Tatsache, dass die Flugbewegungen in diesem Jahr erstmals wieder zunehmen, zeigt, dass vom Abstimmungsausgang für Swiss und Unique viel abhängt. Franz: «Das vorläufige Betriebsreglement mit einer Betriebszeit von 17 Stunden plus 30 Minuten Verspätungsabbau, dessen Genehmigung noch hängig ist, ist das Äusserste, was Swiss eingehen kann, um vernünftig einen Hub betreiben zu können. Eine Betriebszeit von lediglich 15 Stunden, wie es von der Plafonierungsinitiative vorgesehen ist, würde uns beispielsweise aufgrund fehlender Ankünfte von Langstreckenpassagieren vor 7 Uhr halbleere Europaflüge zwischen 7 und 8 Uhr morgens bringen, und somit wäre das Hubsystem gefährdet.» Von einer 9-Stunden-Nachtruhe seien unmittelbar rund 160 Swiss-Flüge pro Woche betroffen.
Swiss lehnt die Plafonierungsinitiative also klar ab und äussert dem Gegenvorschlag des Kantonsrats gegenüber «grösste Bedenken und kann diesen nicht unterstützen». Zwar sei die Bemessungsgrundlage «Lärm» zweckmässiger als ein starrer Bewegungsplafond, könne aber dennoch Wachstum verhindern. Auch der Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) habe eine plafonierende Wirkung. Der Referenzwert könne alleine durch das Bevölkerungswachstum in der Flughafenregion erreicht werden, ganz ohne zusätzliche Flugbewegungen. Effizientestes Mittel zur Reduktion ist laut Franz der technische Fortschritt: «Trotz mehr Flugbewegungen in den letzten 30 Jahren hat sich der Fluglärm dank des technologischen Fortschritts erheblich reduziert.»
Im Abstimmungskampf will sich Unique laut Felder zurückhalten. Zuständig für klare Worte in dieser Angelegenheit ist innerhalb der Systempartnerschaft die Airline Swiss.
Chris Probst
Das sind die Beschränkungsvorlagen im Kanton Zürich
Im November 2007 entscheidet das Volk im Kanton Zürich über zwei Vorlagen:
Die Plafonierungsinitiative verlangt, dass sich der Kanton Zürich bei den Bundesbehörden für eine Nachtruhe von 9 Stunden und maximal 250000 Flugbewegungen pro Jahr einsetzt.
Der Gegenvorschlag des Zürcher Kantonsrates (ZFI+) verlangt, dass sich der Kanton Zürich bei den Bundesbehörden einsetzt für eine Nachtruhe von 7 Stunden und 30 Minuten für den Verspätungsabbau. Zudem soll der Kantonsrat bei Erreichen von 320000 Bewegungen entscheiden, ob Beschränkungen nötig sind. Weiterer Bestandteil des Gegenvorschlags ist die Begrenzung der Anzahl stark gestörter Personen gemäss Zürcher Fluglärm-Index (ZFI), insbesondere zwischen 6 und 7 Uhr morgens.
CP



