Thailand steht vor einem Neuanfang (Ausgabe 2014-26)

Gute Seiten des Militärputsches

Aus unserem Demokratieverständnis heraus ist die Einführung des Kriegsrechts, die Machtübernahme durch das Militär, die inzwischen wieder aufgehobene Ausgangssperre und die partielle Medienzensur ein schwer nachvollziehbarer Vorgang. Die Mehrheit der Thailänder beurteilt das jedoch anders und erkennt bereits erste positive Auswirkungen. 

Die Zeit der Lähmung und Unruhen ist vorbei. Die Armee hat durch eine unblutige Machtübernahme Ruhe und Ordnung zurückgebracht, ist im Strassenbild aber kaum sichtbar. Der thailändische Baht ist leicht erstarkt, die Wirtschaft nimmt wieder volle Fahrt auf und im Tourismus – der vom aktuell das Land führenden National Council for Peace and Order (NCPO) prioritär unterstützt wird – zeichnet sich bereits eine positive Trendwende ab.

Der Kampf gegen die Korruption hat oberste Priorität. So wird hart gegen die Taxi- und Tuk-Tuk-Mafia vorgegangen. Illegale Bauten an den Stränden und in Naturschutz-Gebieten auf Phuket werden abgerissen. Weitere Inseln und Regionen werden folgen. Die Board Member der defizitären Thai Airways verlieren ihre Privilegien in Form von unzähligen Gratis–Tickets in First und Business Class. Polizeichefs und Gouverneure wurden degradiert oder versetzt, korrupte Politiker auf allen Ebenen der Justiz zugeführt. Der Misswirtschaft und Selbstbereicherung soll ein Ende gesetzt werden.

Auf der Basis einer Roadmap soll bis spätestens September eine Übergangsregierung eingesetzt werden und es sollen in einem Jahr demokratische Wahlen stattfinden. Tiefgreifende Reformen sollen nachhaltige demokratische Rahmenbedingungen schaffen. Gleichzeitig wurde ein umfassendes Infrastruktur-Programm auf den Weg gebracht. Demokratie muss erarbeitet werden, auch in Thailand. Diese Zeit sollte man dem Land geben, statt sofort mit dem Zeigefinger zu drohen. Mit den jetzt eingeleiteten Reformen und der Roadmap ist eine Basis für einen tiefgreifenden Neuanfang gelegt. 

Urs Hirt