Trend Tours-Konkurs: Airlines als mögliche Verlierer (Ausgabe 2006-50)

Wer letztlich Geld verliert und wie viel steht noch in den Sternen.

Vorab die gute Nachricht: Laut Urs Herzog vom Garantiefonds der Schweizer Reisebranche sollen Kunden von Trend Tours nicht zu Schaden kommen. Herzog: «Wir rechnen nach heutigem Wissensstand nicht mit bösen Überraschungen oder finanziellen Folgen für den Garantiefonds. Die Sicherstellung von Trend Tours sollte dafür genügen. Mit den Verantwortlichen von Trend Tours, zuerst mit Yvonne Häuptli, dann mit Roman Barzotto, haben wir nach Lösungen gesucht. Alle Kunden, die im Moment unterwegs sind, können ihre Reise bis zum Ende geniessen, alle, die bereits bezahlt haben und demnächst verreisen, können ihre Reise ebenfalls antreten.»

Etwas anders scheint es bei den Lieferanten, allen voran den Airlines auszusehen. Dieter Krattiger von Qatar Airways Schweiz erklärt: «Wir haben rund 30000 Franken unbezahlte Forderungen aus einem Vertrag vor dem Friedensrichter geltend gemacht. Dieser hat eine Weisung an das Handelsgericht ausgestellt. Wie wir weiter vorgehen, wird demnächst entschieden.»

TI weiss, dass auch Singapore Airlines (SQ) betroffen ist. Anirudha Nagrath, District Sales Manager von SQ Schweiz, dazu: «Wir haben die BSP-Abrechnungen bis Ende November erhalten und da hält sich das Volumen noch in Grenzen. Was Anfang Dezember bis zur Konkurseröffnung noch an Tickets ausgestellt wurde, ist uns noch nicht bekannt. Ebenfalls wissen wir im Moment noch nicht, ob weitere Airlines betroffen sind, und wie weit die Bankgarantie beim BSP ausreichen wird.» Nach Ansicht von Insidern kann nicht ausgeschlossen werden, dass noch weitere Fluggesellschaften betroffen sind.

Claudio De Salvo vom BSP signalisiert aber diesbezüglich halbwegs Entwarnung: «Iris Ruff von Trend Tours hat versprochen, die ausstehenden Beträge würden in den nächsten Tagen beglichen.» Ruff war bei Trend Tours Contract & Product Manager.

Auch Michael Grütter von Nazar gehört zu den Opfern der neusten Entwicklung. Bereits im Juli war bekannt geworden, dass Trend Tours von Nazar betrieben wurde. Es ging dabei um die Rückführung von Trend Tours-Passagieren aufgrund der Einstellung der Geschäftstätigkeit von Trend Tours-Partner Mis Tours und Tempo Travel. Der Direktanbieter hatte nach eigenen Aussagen bei beiden TOs namhafte Kontingente eingekauft und vorausbezahlt. Grütter zur aktuellen Lage: «Wir haben schon längere Zeit um die Gelder gekämpft, die uns immer wieder versprochen wurden für Flugleistungen, die wir in schwierigen Zeiten für Trend Tours-Kunden erbracht haben. Schade, dass wir nun von der Deponierung der Bilanz betroffen sind und unsere Ausstände nicht ganz abgegolten wurden. Wir haben damals mit der Übernahme der Kundentransporte dem Garantiefonds Kosten erspart und mitgeholfen Probleme zu vermeiden. Ob wir nun vom Garantiefonds etwas erwarten können, wissen wir zum heutigen Zeitpunkt nicht.»

Urs Hirt