Seit dem 1. Juni fungiert Paul Kristensen als «General Manager Area
Central Europe» von Scandinavian Airlines (SAS). Der Däne hatte aber
noch wenig Zeit, sich mit dem Schweizer Markt dem wichtigsten und
grössten der Area Central Europe, zu der die Schweiz, Österreich sowie
die südosteuropäischen Staaten inklusive Türkei zählen
auseinanderzusetzen. «Einerseits bin ich noch bis August für meine
bisherigen Märkte Belgien und Luxemburg zuständig, andererseits habe
ich bisher sehr viel Zeit in Osteuropa verbracht», rechtfertigt sich
Kristensen.
In Osteuropa ortet SAS nämlich noch Expansionspotenzial. Dabei soll vor
allem Wien ausgebaut werden und als Osteuropa-Hub fungieren, «als
Ergänzung zum Osteuropa-Geschäft unseres Star-Alliance-Partners AUA»,
wie Kristensen anfügt. Neue Direktverbindungen aus Skandinavien nach
beispielsweise Bukarest oder Zagreb sind aber nicht vorgesehen. «Wir
konzentrieren uns auf die Festigung unseres Geschäfts und können, vor
allem wegen des stetig steigenden Kerosinpreises, zurzeit keine
Expansionsstrategie verfolgen», so Kristensen.
Was nicht heisst, dass es keine «Wunschliste» von neuen Routen gibt.
Dazu zähle unter anderem ein BaselKopenhagen: «Unsere Verbindungen
nach Kopenhagen, Stockholm und Oslo ab Zürich und Genf laufen gut»,
analysiert Kristensen, «doch eine Frequenzerhöhung ab diesen Flughäfen
ist kein Thema erfreulicherweise aber auch keine Frequenzreduktion.
Wir sehen in der Schweiz neue Möglichkeiten vor allem ab Basel.»
Ebenfalls erfreulich: Das System mit den Einwegtarifen sei sehr gut
eingeführt und habe SAS «trotz der logistischen Schwierigkeiten» bisher
viel Erfolg beschert.
Ob eine neue Schweiz-Verbindung kommt, wird sich erst gegen Ende Jahr
zeigen. Ab November 2008 erhalten SAS und Tochter Estonian Air nämlich
pro Monat je einen Canadair Regional Jet 900 Next Gen (Auslieferung bis
2011). Mit diesen Flugzeugen werden die Dash Q400 ersetzt, welche nach
einer Unfallserie im vergangenen Jahr ausgemustert wurden und wonach
ein langwieriger Prozess gegen Hersteller Bombardier begann. Das
Resultat: Canadair-Flugzeuge von Bombardier zum Vorzugspreis, dazu auch
Dash Q400 neuer Bauart für die Töchter Wideröe und Estonian Air. «Mit
diesen Flugzeugen wird es für uns neue Optionen geben», so Kristensen,
«Priorität hat aber vorläufig Wien.»
Trotz der aktuellen Expansionsbremse verspricht Kristensen News für die
Schweiz: «Unsere Tochtergesellschaft Blue1 wird ab dem Sommer 2009
höchstwahrscheinlich die Strecke
ZürichHelsinki als double-daily bedienen.» Zudem sollen die Routen
innerhalb Finnlands ausgebaut werden, womit SAS dem Konkurrenten
Finnair das Leben in dessen Heimmarkt schwermachen will.
Denn Angriff ist die beste Verteidigung. Die Probleme von 2007 (Unfälle
mit Dash Q400, diverse Streiks in Skandinavien, hoher Fuel-Preis)
führten zu Planungsänderungen für 2008. So wird der angekündigte neue
Flug von Kopenhagen nach San Francisco «wohl bis 2010» auf Eis gelegt,
dazu werden die Frequenzen zwischen Kopenhagen und Brüssel sowie
Luxemburg und zwischen Oslo und Amsterdam reduziert. Weitere
Kosteneinsparungen bringt die Schliessung der Strecken nach Prag
(inklusive Schliessung des dortigen Büros). Und mit dem Flughafen
Kopenhagen stehen Gespräche an, denn SAS will dessen teure
Landegebühren reduzieren.
Kostenreduktionen beim Vertrieb werden auch angeschaut, «doch wir
wissen, dass der Trade 80% unseres Volumens generiert, und werden
frühzeitig die Diskussion suchen», so Kristensen. Er versteht die
Position der Reisebüros: Kristensen war zwischenzeitlich bei Kilroy
Travels tätig und sein Vater ein Pionier des Reisebürovertriebs in
Skandinavien und in Nordamerika.
Jean-Claude Raemy
