«Vergleich mit GDS-Modellen in USA und UK ist schlicht falsch» (Ausgabe 2008-17)

DRV-Präsident Klaus Laepple nimmt die Modelle in den USA und in Grossbritannien unter die Lupe.

An der Agententagung des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Frankfurt
äusserte sich Laepple zu den von Swiss und Lufthansa gemachten
Äusserungen, in den USA und in UK hätten sich ähnliche «Preferred
Fares»- Modelle durchgesetzt, wie sie nun in der Schweiz und in
Deutschland eingeführt werden sollen.

«Die Vergleiche mit den Modellen in den USA und in UK haben einen
kleinen Schönheitsfehler: Sie sind schlicht falsch», meint der
DRV-Präsident. Diese Opt-in-Modelle würden anders funktionieren. «In
den USA erhielten die Reisebüros bis 2003 USD 2 pro Segment als
Incentive von den GDS. Die Lösung mit den US-Airlines sieht so aus,
dass die Kosten, welche die Airlines den GDS zu bezahlen haben, um 80
Cents pro Segment reduziert wurden. Dadurch bleibt den Agenten immer
noch ein Incentive von USD 1.20 pro Segment», erklärt Laepple.

Etwas anders präsentiert sich das Opt-in-System, welches in
Grossbritannien zur Anwendung kommt. Laepple: «Dort hat British Airways
eine Gebühr von einem Pfund pro Segment für Günstigtarife sowie 50
Pence für Normaltarife eingeführt, bezahlt aber den Reisebüros einen
Incentive je nach Volumen. Zusätzlich erhalten die Agenten auch von den
GDS einen Incentive.»

Buchungen über das Agentenportal von Lufthansa seien ebenfalls keine
Lösung, meint er: «Der ‹Lufthansa Agent› wie er sich heute präsentiert,
ist ein Auto, dass lediglich geradeaus fahren kann, aber nicht Kurven.
Dieses Auto kann höchstens auf einem grossen Salzsee in Utah eingesetzt
werden.»

Auch für die Published Fares (die heutigen publizierten Tarife, die ab
1. Juli (Deutschland, Österreich), beziehungsweise ab 1. Oktober
(Schweiz) um CHF 25 (Oneway) und CHF 50 (Roundtrip) oder den
entsprechenden Betrag in Euro angehoben werden) hat Laepple einen
Vergleich mit der Automobil-Industrie bereit: «Diese Tarife entsprechen
einem modi-
fizierten Auto, welches 10 Prozent mehr Benzin verbraucht, ohne dass es
mehr kann als das alte Modell – eine echte Innovation, genau so wie ein
Auto, das öfter in die Inspektion muss als früher, was den Preferred
Fares entspricht.»

Chris Probst, Frankfurt