«Wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt der Knecht daher» so oder ähnlich dürften viele unabhängige Retailer denken, die auf der Suche nach einer Nachfolgeregelung sind. Dass man dann bei der Knecht Reisegruppe anklopft, liegt auf der Hand; schliesslich hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren im Gegensatz zu den drei grossen Schweizer Veranstaltern immer wieder Reisebüros oder kleinere Tour Operators übernommen und macht keinen Hehl daraus, dass man dies auch in Zukunft zu tun gedenkt.
Dies soll nicht bedeuten, dass Knecht einfach à la «Hunter-Strategie» munter draufloskauft, um rasch zu wachsen. Die Kriterien sind knallhart, und wer Geissberger und Gehring ein kränkelndes Unternehmen andrehen will, steht auf verlorenem Posten. Auch Swissexpress-
Inhaber Philippe Oehler musste seine Braut zuerst noch schmücken. Vor einem Jahr wurden die rechtliche Struktur bereinigt und die Filialen in Arlesheim und Binningen geschlossen, da sie als Kleinstbüros keine kritische Grös-se erreichten. Rückblickend darf man davon ausgehen, dass die Knecht-Gruppe bei dieser Reorganisation bereits ihre Finger im Spiel hatte und dies zu den Übernahme-Verhandlungen gehörte.
Mit dieser Übernahme erhöht sich die ohnehin schon grosse Bedeutung von Knecht in der TTS-Gruppe noch einmal. Neun von 13 TTS-Veranstaltern bzw. Veranstaltermarken gehören zur Knecht-Gruppe, und beim Gesamtumsatz von TTS nähert sich Knecht schon bald der 50%-Marke. Die Frage, ob Knecht in mittlerer Zukunft identisch mit TTS sein wird und ob es den Travel Trade Service dann überhaupt noch braucht, steht im Raum.
Doch von solchen Gedankenspielen wollen die Knecht-Verantwortlichen nichts wissen. Denn gerade im Vertrieb der eigenen, eher komplexen Produkte spielen die TTS-Reisebüros eine wichtige Rolle. Im Massengeschäft wie z.B. Bade- und Städtereisen kann Knecht mit den Konkurrenten, die stärker auf den Onlinevertrieb setzen, nicht mithalten. Daraus resultieren auch Umsatzeinbussen im Knecht-Retailing.
Umso wichtiger ist es für den Veranstalter deshalb, ein starkes Netz von stationären Büros zu haben, welche die eigenen, margenstärkeren Produkte vertreiben. Mit den TTS-Reisebüros hat Knecht ein solches Netz. Und indem ausgewählte Büros dieses Netzes mittels Akquisitionen sogar in die eigene Firma integriert werden, wie dies nun mit Swissexpress geschieht, wird dieser Effekt noch verstärkt.
Stefan Jäggi



