Herr Eberhard, wieso geben Sie die Produktlinie Soley von Globus Reisen auf?
Im Badeferiengeschäft werden Prozesse und Technik immer wichtiger, anders als z.B. bei den Rundreisen. Das ist ein branchenweiter Dynamisierungsprozess, an dem wir uns auch beteiligen. Deshalb integrieren wir die Soley-Produkte in die Palette von Hotelplan und Travelhouse; dort sind wir technologisch besser aufgestellt, um diese Art von Reisen abzuwickeln.
Man hätte diese Technologie ja auch einfach bei Globus Reisen übernehmen können?
Das wäre möglich und haben wir teilweise auch gemacht. Aber diese Technologie muss unterhalten werden, und mit mehreren Marken und Websites gibt es entsprechende Mehrkosten. Deshalb mussten wir uns fragen: Wollen wir unsere Mittel auf viele Marken verteilen oder lieber konzentrieren?
Sie haben Soley erst vor zwei Jahren eingeführt. Ist es nicht Geldverschwendung, eine Marke aufzubauen und dann so schnell wieder einzustellen?
Ja, das kann man so sehen, greift aber zu kurz. Wir haben diskutiert, ob wir Soley mehr Zeit geben müssen, zumal die Anzahl Pax im letzten Jahr um 28% zugenommen hat. Aber in absoluten Zahlen war es zu wenig; die Passagiere machten etwa 57% unseres Badeferiengeschäfts und weniger als 1% unserer gesamten Anzahl Kunden aus. Was wir uns von Soley erhofft haben, ist nicht eingetroffen. Und wie gesagt, die Zahlen sind nicht der einzige Grund. Wir stellen fest, dass der Produktname im Badeferiengeschäft weniger wichtig ist als die ganzen Prozesse: Wie schaut der Kunde das Angebot an, wie recherchiert er es, wie bucht er es? Bei diesen einfach buchbaren Ferienangeboten hat sich seit zwei Jahren im technologischen Bereich vieles getan.
Inwiefern spielt die Konkurrenz im Luxusbereich eine Rolle, z.B. Airtours von TUI? Hat Hotelplan Suisse festgestellt, dass Luxus nicht seine Spielwiese ist?
Das würde ich so nicht sagen. Wir führen auch bei Hotelplan und Travelhouse Fünfsterne-Hotels und werden dies auch weiterhin tun. Aber im Handel hatte offensichtlich niemand auf eine Produktlinie wie Soley gewartet, die Angebote gab es zuvor ja schon bei unseren anderen Marken. Beim Endkonsumenten waren wir davon ausgegangen, dass wir uns mit diesem Produkt im Luxusbereich positionieren können. Bis jetzt ist der Name «Soley» aber zu wenig bekannt.
Wie geht es nun bei Globus Reisen weiter? Die Marke fristete ja lange ein Schattendasein und hätte dank Soley nun deutlich ausgebaut werden sollen.
Soley hatte natürlich den grössten Anteil im Portfolio von Globus Reisen, schätzungsweise 70%. Wir halten aber auf alle Fälle an der Marke fest. Im Vertrieb haben wir sieben etablierte Lounges mit einem hohen Yield. Im Veranstaltergeschäft bieten wir weiterhin Kreuzfahrten, Rundreisen, Städte-reisen und Kurztrips an. Und wir können uns durchaus vorstellen, das Angebot auszubauen; bei den Kreuzflügen beispielsweise sehen wir Potenzial. Vielleicht werden wir neue Reisen mit kleineren Flugzeugen für 50 bis 60 Pax aufgleisen.
In den letzten Jahren sind bei Hotelplan Suisse diverse Marken oder Produktelinien verschwunden. Hört das Marken-Durcheinander jetzt dann auf?
Unser Markenportfolio erscheint auf den ersten Blick komplex und wir unterziehen es laufend einer kritischen Analyse. Beim Kauf von Travelhouse vor zehn Jahren erhielten wir viele Submarken mit sehr unterschiedlichem Stellenwert. Es sind aber in erster Linie Handelsmarken; der Endkonsument nimmt sie nicht gross wahr, und auf der Website, den Katalogen oder auf Dokumenten tauchen sie nur zurückhaltend auf. Wir schaffen sie aber auch nicht ab; gerade Marken wie Skytours, Wettstein oder Salinatours sind für den Handel sehr wichtig. Dabei ist wichtig, dass jede Marke die in sie investierten Mittel rechtfertigt.



