Wer profitiert vom Kinder-Schock bei MSC? (Ausgabe 2015-41)

MSC Kreuzfahrten reduziert die Alterslimite für das «Kinder-reisen-gratis»-Angebot von 18 auf 13.

Bis anhin galt bei MSC das «Gratis»-Angebot für Kinder, die in der Kabine der Eltern mitreisen, bis 18 Jahre. Dies ändert sich per März 2016: Diese Alterslimite wird auf 13 Jahre zurückgestuft. «Gratis» heisst, dass nur die individuelle oder organisierte An- und Rückreise, die Hafentaxen (in der Regel CHF 165) und «Gebühren» (d.h. das «freiwillige» Serviceentgelt) bezahlt werden müssen. Gratis-Kinderangebote gibt es unverändert auf sämtlichen Abfahrten im Mittelmeer, in Nordeuropa und in der Karibik.

Eine offizielle Begründung zur partiellen Verteuerung der Familien-Kreuzfahrten liefert MSC nicht. Man kann aber davon ausgehen, dass auch bei MSC jede Möglichkeit geprüft wird, um den Yield (Durchschnittserlös) nicht weiter absinken zu lassen. Zudem galt die Limite von 13 Jahren schon im deutschen Markt – es geht somit wohl auch um eine internationale Angebots-Harmonisierung.  

Nicole Blom, Marketing-Leiterin bei MSC, rechnet nicht damit, dass man wegen dieser Anpassung nun Kunden verlieren werde: «Das Kinder-Produkt auf unseren Schiffen ist mit täglich 14 Stunden Gratisaktivitäten für Kinder unverändert einmalig.» Es gebe bei MSC verschiedene Kinderclubs, spezielle Kids-Ausflugsprogramme, Kindermenüs und einen Kids Corner. Und auch Teenager kommen mit eigenen Themenabenden, Teen Spa etc. auf ihre Rechnung. 

Ob die Verschärfung der Alterslimite tatsächlich spurlos an MSC vorübergehen wird, ist offen. Für Szenen-Insider wie Cornelia Gemperle (Kuoni Cruises) oder George Studer (Cruise Center) sind mögliche Auswirkungen nicht von der Hand zu weisen, wobei vor allem Costa, die zweite grosse Familien-Reederei im hiesigen Markt, zum Handkuss kommen könnte. Costa hält bei ihren Kinder-Preisen unverändert an der Limite 18 Jahre fest. Bis zu diesem Alter bezahlen Kinder in der Kabine der Eltern seit diesem Jahr 15% vom Classic-Preis einer Innenkabine (bei der Neo Collection sind es je nach Reise 30 bis 50%). Im Gegensatz zu MSC werde die Alterslimite bei Costa nicht verändert, erklärt Mary Stefanizzi, Chefin von Costa Schweiz.

Profitieren könnte auch Aida, wo Familien gemäss Dominika Lange, Manager International Sales, ebenfalls ein sehr wichtiges Segment darstellen. Je nach Saison reisen Kinder bis 15 Jahren in der Kabine der Eltern kostenlos mit, zu anderen Saisonzeiten und gar bis 24 Jahren zu attraktiven Festpreisen. Und auch Royal Caribbean Int. möchte sich mit Kinderfestpreisen auf ausgewählten Europa-Reisen gerne ein grösseres Stück vom Familien-Kuchen abschneiden, so René Schärer, Verkaufsleiter Schweiz.

Über die hohe Bedeutung des Familien-Segments im Cruise-Markt Schweiz können nur Vermutungen angestellt werden. Bei MSC und Costa dürfte der Kinderanteil an der jeweiligen Gesamt-Passagierzahl (geschätzte 40000 bis 45000) rund 10% betragen, in den Ferienmonaten Juli und Oktober wesentlich mehr.

BE