Am 3. Oktober 2007 teilte Kuoni vor Börsenstart Folgendes mit: «Die Kuoni Reisen Holding AG hat das am
23. August 2006 gestartete Aktienrückkaufprogramm in Höhe von CHF 100 Mio. per 2. Oktober 2007 abgeschlossen
An der ordentlichen Generalversammlung vom 18. April 2007 wurde beschlossen, 43200 Namenaktien B und 14400 Namenaktien A bei gleichzeitiger Kapitalreduktion zu vernichten.» Das Aktienkapital von Kuoni beträgt seit dem 4. Juli (HR-Eintrag) neu CHF 3153920, davor war es CHF 3200000. Weiter heisst es, der Verwaltungsrat der Kuoni Reisen Holding AG werde der GV vom 18. April 2008 die Vernichtung der seit dem 16. März 2007 erworbenen 100800 Namenaktien B und von 33600 Namenaktien A bei gleichzeitiger Kapitalherabsetzung beantragen. Was steckt hinter diesem Vorgehen?
Branchenspezifisch meint dazu Yves Bruttin, Inhaber der Reise-Treuhand: «Wenn eine Firma zu viel
Liquidität hat, die sie nicht platzieren kann, zum Beispiel keine oder zu wenig Akquisitionen vorhanden sind, in die man investieren kann, oder die Kriegskasse gut gefüllt ist, dann kann man einen Aktienrückkauf machen. Die Generalversammlung beschliesst eine Reduktion des Aktienkapitals durch den Rückkauf von Aktien, die anschliessend vernichtet werden. Damit schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe: erstens baue ich die Liquidität ab, die nichts oder zu wenig bringt; zweitens erhöhe ich die Rendite der Aktien, was die Aktionäre freut. Man geht davon aus, dass auch mit tieferem Aktienkapital der gleiche Gewinn erwirtschaftet werden kann. Diesen Gewinn muss ich nach der Aktienreduktion auf weniger Aktien verteilen, was einen prozentual höheren Gewinn pro Aktie ergibt. Und damit stehe ich am Markt besser da.»
Volkswirtschaftlich erklärt Roberto Stefàno, Redaktor bei der «Handelszeitung»: «Für ein Aktienrückkaufprogramm gibt es diverse Gründe: Das Unternehmen hat in der Regel freie Mittel, für die es keine direkte Verwendung hat. Diese könnten den Aktionären über eine Dividende bzw. eine Nennwertreduktion ausgeschüttet werden oder indem ein Aktienrückkaufprogramm mit anschliessender Aktienvernichtung gestartet wird. Damit wird ein allfälliger Gewinn auf weniger Aktien verteilt, es entsteht eine sogenannte Gewinnverdichtung. Ein Aktienrückkauf hat dadurch auch eine leicht stützende Wirkung auf den Aktienkurs, was für das Unternehmen auch positiv ist. Ein Aktienrückkauf kann auch einfach eine vertrauensbildende Massnahme sein.»
Norman C. Bandi



