Konkrete Zahlen zum Cruise-Markt Schweiz gibt es im Gegensatz zu Deutschland oder Österreich, wo die Reisebüroverbände eine verlässliche Erhebung konstituiert haben, keine. Um wenigstens einige Richtwerte zu erhalten, hat TRAVEL INSIDE wie schon in der Vergangenheit führende Anbieter (siehe Box) um ihre Einschätzungen gebeten, die wir hier kumuliert ausgewertet präsentieren.
Die Spannweite der geschätzten Kreuzfahrt–Passagiere im Schweizer Markt (2014) liegt demnach zwischen 130000 und 160000 als Mittelwert kristallisiert sich die Zahl von rund 150000 Pax heraus. Eine interessante Detail-Angabe: Der First– und Luxusklasse-Markt wird dabei von Spezialisten auf rund 8% geschätzt. Über das Wachstum im Jahr 2014 gehen die Meinungen auseinander und spiegeln individuelle Entwicklungen: Reedereien, die sich (auf relativ tiefem Niveau) im Markt positionieren, deuten ein Plus von 20 und mehr Prozent an. Die Spannweite bei den «arrivierten» Reedereien und den Vermittlern liegt dagegen zwischen fünf und zehn Prozent.
Keine Angaben gibt es zu einzelnen Reederei-Zahlen, so dass auch über die Marktverhältnisse nur Vermutungen möglich sind. Einig ist man sich in der Branche, dass Costa und MSC nach Passagieren klare Marktführer sind und auf je zwischen 45000 und 50000 Cruise-Pax geschätzt werden dürfen. Es gibt aber auch Stimmen, welche den beiden Platzhirschen höhere Zahlen zusprechen und zweifeln, ob die anderen Reedereien tatsächlich einen Drittel des Cruisemarktes generieren.
Interessant ist bei der Frage nach dem Gesamtmarkt auch, dass die da und dort zitierten «offiziellen» Zahlen (z.B. von CLIA) unterschiedlich ausfallen, was natürlich Fragen zur Methodik aufwirft. So steht nebst der Definition (was zählt: Wohnort Schweiz? Schweizer Pass?) etwa der Aspekt «Gratis-Kinder», resp. vollzahlende Lower-Beds im Raum. Der (preislich reduzierte) Kids-Anteil ist gerade bei den zwei im hiesigen Markt führenden Anbietern Costa und MSC saisonal relativ gewichtig und könnte gegen 10% betragen.
Ein anderer Aspekt dreht sich um die Crossborder-Buchungen, d.h. von Schweizern im Ausland getätigten Cruise-Buchungen (Online-/Offline-Reisebüro oder direkt bei der Reederei). Dieses Thema hat aktuell mit der Kursfreigabe neue Dringlichkeit erhalten (siehe Frontstory), ist aber schon seit einigen Jahren den Schweizer Vermittlern ein Dorn im Auge. Die Zahl der geschätzten Crossborder-Buchungen (Pax) liegt zwischen 10000 und über 30000. «Der Schweizer Reisebranche gehen dadurch rund 64 Millionen Franken verloren», vermutet eine Agentur gar.
Kaum ein Thema sind Crossborder-Buchungen für die (im Ausland domizilierten) Reedereien. Sie berufen sich darauf, dass das Preisbild ja heute überall dasselbe sei und man meist sowohl in Euro wie Franken bezahlen könne. So gesehen spielt es für diese Reedereien keine Rolle, wo der Kunde letztlich bucht. Das sehen natürlich die beiden «Schweizer» Reedereiniederlassungen von Costa und MSC anders, wo man die konkurrenzfähigen Schweizer Preise unterstreicht und bestrebt ist, die Buchungen auch hier in der Schweiz zu generieren.



