Wie tickt der künftige Kuoni-Eigner? (Ausgabe 2016-06)

EQT verfügt über ein Netzwerk an viel touristischem Know-how – auch dank alten Bekannten.

Der Verwaltungsrat hat zugestimmt, die Kuoni- und Hugentobler-Stiftung auch, der Preis scheint zu stimmen – alles deutet darauf hin, dass der Verkauf der Kuoni Group an EQT von der Generalversammlung Anfang April abgesegnet wird. Von der schwedischen Private–Equity-Firma weiss man hierzulande wenig, auch wenn sie schon seit sieben Jahren ein Büro am Paradeplatz in Zürich hat.

Investiert hat sie in der Schweiz bislang in den Sportdaten-Spezialisten Sportradar, die Zahnarzt-zentren Swiss Smile sowie in SFC Koenig, der Komponenten für den Motorenbau herstellt. Der Tourismus- und Reisebranche ist sie aber nicht fremd: Zu den welt-weiten Beteiligungen gehören Scandic (Hotels), Holidu (Ferienhäuser), SSP (Gastro an Flughäfen und Bahn-höfen) und die Nordic Aviation Capital (Flug-zeug-leasing). Zum Visa–Geschäft von Kuoni wiederum passt das Know-how von der Beteiligung an Dataflow, einem Dienstleister für Arbeits-genehmigungen im Ausland. Know-how holt sich EQT auch aus ihrem 250 Köpfe umfassenden Berater- und Expertennetzwerk. Darin befinden sich touristisch interessante Leute, allen voran Ex-Kuoni-CEO Armin Meier, aber auch 7Travel-CEO Jörg Trouvain oder Braganza-Eigner Per Braathen (Malmö Aviation, Golden Air, Ex-Braathens-Airline). In der Schweiz ebenfalls gut bekannt: Ex-Sulzer-CEO Ulf Berg. Aus diesen 250 Industriellen wird EQT zwei bis drei Verwaltungsräte für die Kuoni Group stellen. Ein bis zwei weitere Sitze werden an die Kuoni- und Hugentobler-Stiftung gehen.

Geplant ist laut Michael Bauer, Partner bei EQT in der Schweiz, die drei einzelnen Kuoni-Geschäftsfelder Global Travel Services, Global Travel Distribution und VFS Global zusätzlich mit eigenen VR-Gremien zu versehen. Derart fürstlich wie bisher werden die Verwaltungsräte künftig aber wohl nicht mehr entlöhnt: Bei EQT werden die Mandate «traditionell zurückhaltend honoriert», wie es Michael Bauer ausdrückt. Vielmehr sollen sich sowohl Verwaltungsrat als auch das Management am Unternehmen beteiligen. Die Auszahlung einer Dividende ist in der Regel nicht vorgesehen.

Im Normalfall dauert eine Investition von EQT vier bis sechs Jahre, danach wird das Unternehmen üblicherweise weiterverkauft – in dieser Zeit steigen bei EQT über alle Investitionen hinweg gesehen sowohl Gewinn als auch Mitarbeiterzahl um durchschnittlich 11% pro Jahr. 

Ob der Verkauf im Fall der Kuoni Group als Gesamtpaket oder in die drei Bereiche aufgesplittet geschehen wird, lässt sich heute nicht sagen. Klar ist aber bereits, dass die Kuoni- und Hugentobler-Stiftung, die ihre Aktien behält, auch bei einem Wiederverkauf ein Mitspracherecht haben wird.

SJ