«Sie haben gewonnen!» Heutzutage dürfte allen klar sein, dass sich in einem solchen Mail allerhand verbergen mag, aus-ser einem tatsächlichen Gewinn. Von den Airlines kommen momentan auch häufig solche Meldungen. «Wir gehen mit einem neuen Gepäckkonzept noch individueller auf Kundenbedürfnisse ein!»; «Ab 1. Oktober erhalten Ivory-Mitglieder bei der
Buchung eines Europa-Tickets 50% Er-mäs-sigung auf das erste aufzugebende Gepäckstück!»
Die tollen Schnäppchen-Angebote entpuppen sich meist als neue Zusatzgebühren; bisher kosteten die beschriebenen Leistungen nämlich gar nichts. Das Milliardenbusiness Ancillary Services treibt immer wildere Blüten. In der Economy Class entstehen diverse neue Unterklassen, die mit «Light», «Simple» oder dergleichen bezeichnet werden und bei denen je nach Airline keine Verpflegung, kein Check-in-Gepäck oder künftig vielleicht nicht einmal mehr Handgepäck inkludiert ist.
Doch es geht noch viel komplizierter. United bietet Jahresabos für die Gepäckaufgabe oder das Upgrade in die Eco-Plus an. Beim US-Low-Coster Frontier Airlines darf man die Gepäckablage nur noch kostenlos nutzen, wenn man direkt und nicht über ein Reisebüro gebucht hat. Andere Airlines beginnen, ihre zahlreichen Ancillary Services wieder zusammenzuführen und den Kunden als Package zu verkaufen. Für die Reisebüros ist es ein Ding der Unmöglichkeit geworden, die Übersicht über alle Angebote zu behalten. Kommt hinzu, dass die Airlines noch lange nicht all ihre Services und Tarife in den GDS geladen haben, auch wenn die technischen Voraussetzungen inzwischen gegeben sind.
Über die Existenz von Ancillary Services muss man nicht mehr diskutieren diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Darüber, dass die Übersicht immer mehr verloren geht, auch nicht. Doch die Airlines könnten wenigstens den Mut haben, ihre neuen Gebühren als solche zu deklarieren, statt sie in blumigen Worten den Kunden als «Good News» zu verkaufen.
Stefan Jäggi
