«Wo ist die Kampagne des SRV?» (Ausgabe 2015-06)

Bentour meldet eine stabile Türkeinachfrage und fordert in Sachen Europroblematik Unterstützung vom Schweizer Reise-Verband.

Der Türkei-Spezialist Bentour ist in ein rasantes Reisejahr gestartet. Die erste Herausforderung war der verspätete Hauptkatalog für den Sommer 2015, der statt Anfang Dezember erst zu Weihnachten aus der Druckerei kam. «Hier haben wir bemerkt, wie relevant der Katalog tatsächlich noch für die Buchungen ist», so die Erkenntnis von Geschäftsführer Deniz Ugur. Doch bis spätestens Mitte Februar sei man sicher wieder auf Vorjahresniveau. Rund 105000 Gäste will Bentour dieses Jahr wieder in die Türkei bringen, die Flugkapazitäten liegen bei 150000 Plätzen. Der Schweizer Markt macht im Geschäft von Bentour einen Anteil von 45 Prozent aus. 

Im Kampf um die Abwanderung in den Euro geht der Türkei-Spezialist in die Vollen. «Wir müssen unbedingt agieren, damit die Kunden wieder in Schweizer Franken buchen», so Ugurs Aufruf an die gesamte Branche. Seit der Aufhebung des fixen Wechselkurses Mitte Januar seien die Buchungen in Schweizer Franken um 25 Prozent eingebrochen. Bentour könne zwar auch in Euro anbieten, «aber gut ist das für uns nicht», sagt Ugur. Um Planungssicherheit zu haben, hat Bentour sein Schweizerfrankengeschäft gegen einen fallenden Kurs abgesichert, jedoch nicht gegen einen steigenden. Zu teuer seien dort die Prämien. Hier habe man auf die SNB vertraut. 

Darum wirbt Bentour nun progressiv mit den «Franken-Tiefpreiswochen» – auf der Website, in den Schaufenstern und ab 10. Februar sogar im TV. Statt CHF 100 gibt es nun CHF 150 Währungsrabatt pro erwachsenem Reisenden. Im Gegenzug werden die Europreise mit Abflug ab Zürich und Basel «ganz leicht» erhöht. Dass er und viele Branchenkollegen das nun so machen, findet Deniz Ugur völlig in Ordnung. «Der Gap zwischen den Euro- und den Frankenpreisen muss unbedingt kleiner werden.» Vehement fordert er dabei die Unterstützung des Schweizer Reise-Verbandes. «Wo ist die Kampagne des SRV?», fragt der Zürcher Unternehmer. Er erwarte einen Einsatz von mindestens einer halben Million Franken.

Froh ist Deniz Ugur darüber, «dass in der Türkei viel Stabilität drin ist». Obwohl das Land unter anderem durch den Syrienkonflikt vorübergehend an Image eingebüsst habe, habe es in den vergangenen Jahren massive Verbesserungen gegeben, was die wirtschaftliche Verlässlichkeit des Systems angehe. Auch vom Nachfragerückgang in Griechenland profitiere die Türkei aktuell. 

Um Gäste zu überzeugen und vor allem Stammkunden zu halten, will Bentour kräftig mitwirken an der Gestaltung des Ferienangebots in der Türkei. So unterstützt der Spezialist zum Beispiel das wachsende Segment der Sport- und Aktivferien, unter anderem mit dem neuen Bikekatalog, der sich laut Ugur reger Nachfrage erfreut. Nachhaltig und vor allem im Winter sehr gut nachgefragt sei auch das Golfgeschäft in der Türkei. 

Als gute Nachricht empfindet es Ugur, «dass unsere Provisionen stabil bleiben», nämlich bei elf bis 15 Prozent. Für Agenten und Partner wird im Dezember 2015 zudem eine neue Art der Bentour Comedy Night lanciert. Erstmals gibt es statt mehrerer nationaler Anlässe einen gemeinsamen Mega-Event in Antalya mit bis zu 2000 Gästen.

Stephanie Günzler