Der Schweizer Garantiefonds wird vom Fall WTA-X förmlich überrollt. Auch finanziell könnte es mit dem zweiten grossen Schadenfall im aktuellen Jahr heftig werden. Durch die insolvente Intertravel AG werden die Rückstellungen von rund CHF 10 Mio. mit rund CHF 1 Mio. belastet, nun folgen wahrscheinlich weitere Millionen. Dass der Garantiefonds noch keine Detailzahlen liefern kann, liegt an den Dimensionen des Falls und den internationalen Verkettungen.
Genau hier sieht er sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Der Garantiefonds als solidarisches Modell wurde in den 90er-Jahren gegründet, um den Reiseunternehmen in der Schweiz und Liechtenstein zu helfen, das damals neue Pauschalreisegesetz zu erfüllen und die Kundengelder abzusichern. Über die Internetanbieter, die in den vergangenen Jahren Teilnehmer wurden, freute man sich zuletzt noch, machten diese doch die rückläufigen Reiseumsätze der grossen TOs und damit die Rückgänge der Gebühreneinnahmen beim Garantiefonds wett. Nun stellen genau diese die Stiftung vor schwer zu bewältigende Aufgaben.
Muss der Garantiefonds künftig Strukturen schaffen, um schneller reagieren zu können? Muss er mehr und früher Einsicht fordern? Wie kann er das schaffen, ohne dass die Kosten für den personellen Aufwand wiederum zu Rechtfertigungsproblemen gegenüber den zahlenden und rechtschaffenen Mitgliedern führen? Diese Fragen müssen gestellt und beantwortet werden, sobald das Feuer bei WTA-X gelöscht ist.
Ob ein Antragssteller ursprünglich aus dem Ausland stammt, darf bei einer Entscheidung keine Rolle spielen. Auch nicht, wo seine Kunden wohnen. Entscheidend ist der Unternehmenssitz. Wer das hiesige Gesetz erfüllen und seine Kundengelder absichern will, muss die Möglichkeit erhalten, dies zu tun. Zudem ist es der Sinn einer Versicherung, Risiken abzudecken. Sie muss diese aber richtig einschätzen, entsprechende Sicherheiten einfordern oder Schranken einführen. Der Garantiefonds haftet in der Höhe seines Stiftungsvermögens. Bei deutschen Absicherern gibt es eine fixe Obergrenze pro Jahr. Zudem ist per Sicherungsschein der Umsatz einer Reise 1:1 versichert.
Die Rufe nach Kontrolle werden nun sicher wieder lauter. Dabei monieren Branchen-Start-ups jetzt schon, die finanziellen Hürden, um eine Kundengeldabsicherung zu erhalten, seien zu hoch. Gleichzeitig fordert die hängige Markwalder-Motion Strafzahlungen für Reisebüros ohne Absicherung. Das Thema birgt weiterhin reichlich Zündstoff.



