
Vor rund 60 Jahren begann die rasante touristische Entwicklung in der Algarve (arabisch: der Westen) und entwickelte sich mit dem Ausbau der Infrastruktur und dem Entstehen von mondänen Resorts.
Trotzdem ist die Algarve auch heute noch stark landwirtschaftlich geprägt und aufgeteilt in drei Zonen, die Atlantikküste, wild und rau im Westen, lieblich im Süden mit faszinierenden Felsformationen und langen Sandstränden, dem fruchtbaren Landstrich in der Mitte und den Bergen im Hinterland.
Fischerei, Rebbau, Mandel-, Oliven- und Feigenbäume sowie Korkeichen prägen diesen 40-50 km breiten und 150 km, vom Cabo Sao Vicente bis zur spanischen Grenze, langen Landstrich.
Heute zieht die Algarve Touristen aus aller Welt an. Diese tummeln sich in der Hochsaison in grosser Zahl in den Hotels und an den Stränden rund um Albufeira, Lagos und Portimão. Aber es lohnt sich die Algarve in der Nebensaison zu bereisen, denn dann offenbart sie ihren Charme, ihre Ursprünglichkeit und die durch die Natur geprägte Lebensart der Einheimischen.
Die von Turismo do Algarve und Edelweiss organisierte Reise ermöglichte es die Juwelen der Algarve zu entdecken.
Mehr Flüge im Jahr 2025
Das Edelweiss ihren neuen A350 an diesem Tag nach Faro einsetzte, den ersten A350 der je in Faro landete, kam einer Sensation gleich und rief die portugiesische TV-Station SIC auf den Plan, die generell über den Ausbau der Fluganbindungen von Faro berichtete. Edelweiss erhöht die Kapazität für Sommer 2025 um 20% auf bis zu sechs wöchentlichen Flügen, zudem kommen neue Verbindungen von Helsinki und Reykjavik hinzu, aber hauptsächlich zu reden geben die vier wöchentlichen Flüge von United ab Newark, welche Mitte Mai starten.
Die Algarve kann sich also auf einen weiteren Anstieg der Touristen freuen, bzw. gefasst machen.
Es gibt tatsächlich Inseln

Wer an die Algarve denkt, denkt an die Felsformationen mit ihren malerischen Sandstränden. Aber von Faro und dem Naturpark Ria Formosa nach Osten verläuft die ‘Sandalgarve’ mit ihren vorgelagerten Inseln und Sandbänken.
Im Fischerstädtchen Olhão verläuft das Leben, besonders in dieser Jahreszeit, noch sehr beschaulich. Die malerischen Gässchen und Plätze sind gesäumt von weiss getünchten Häusern, die in der Saison hauptsächlich über Airbnb vermietet werden. Fischfang ist hier noch sehr dominant, was das enorme Angebot an Fischsorten und Meeresfrüchten beweist.

Diana Nunes von der Agentur Portugal4U, die uns das Städtchen zeigte, bringt uns anschliessend auf die Insel Culatra, vorbei an Austernbänken. Culatra hat rund 1000 Einwohner*innen und liegt im Naturpark Ria Formosa.
Silvia Padhinia, Präsidentin der Insel und Umweltaktivistin, arbeitet darauf hin, dass die Insel bis 2030 vollständig Klimaneutral wird. Entsprechend dürfen keine touristischen Unterkünfte entstehen und es werden nur Tagestouristen, in der Hochsaison jedoch in beträchtlicher Menge, zugelassen, die dann den feinsandigen Strand Praia da Culatra bevölkern.
Die zweite Aktivität von Silvia Padhinia ist die Austernzucht in Zusammenarbeit mit französischen Experten. Auf ihrer Terrasse servierte sie die frischesten Austern, die man sich vorstellen kann.

Historisches Handwerk
Der Marktflecken Loulé mit seinen vielen historischen Gebäuden und seinem Schloss werden die Produkte des Landes und des Meeres umgeschlagen. Hier sind Bräuche, Handwerk und Traditionen noch immer lebendig.

Hier fördert das Projekt TASA den Weiterbestand von historischen Handwerkstechniken, sei es mit Ton, Bambus, Palmfasern, Holz oder Kork. TASA bietet Besuchern kreative Erfahrungen an, bei welchen diese die Handwerkstechniken erlernen und ausüben können.
Die West- und die Südküste
Das Cabo Sao Vicente ist der südwestlichste Punkt von Kontinentaleuropa. Die nördlich davon gelegene Westküste Costa Vicentina ist rau, erinnert eher an Irland als an Südeuropa und ist ein Naturpark. Die eindrücklichen Klippen bieten faszinierende Ausblicke auf die Strände, an welche die Brandung des Atlantiks donnert und entsprechend von Surfern genutzt wird.


Die Perceves (Deutsch: Entenmuscheln) sind eine Delikatesse für Liebhaber von Meeresfrüchten, die an der Küste der nordwestspanischen Provinz Galizien und an der Westküste der Algarve vorkommen.
Das ‘pflücken’ der Perceves von den Felsen in der Brandung des Atlantiks ist für die Fischer eine an Lebensgefahr grenzende Arbeit, die viel Ausdauer, Mut und Einfallsreichtum erfordert. Im Restaurant Escondidinho wurden uns diese schmackhaften Meeresfrüchte fangfrisch serviert.
Die Südküste rund um Lagos ist ebenfalls felsig, aber hier finden sich die faszinierenden Felsformationen, für welche die Algarve bekannt ist. Auf einer Bootstour im Licht des späten Nachmittags präsentieren sich diese Felsformationen mit ihren Höhlen und Felsbrücken, entstanden durch die permanente Kraft der Brandung, sehr eindrücklich.

Konserven, Wein und die sieben hängenden Täler

Einst war die Produktion von Fischkonserven gross in der Algarve. Praktisch in jedem Ort gab es familiengeführte Konservenfabriken, welche aber mit den modernen Hygieneauflagen nicht mithalten konnten. Die Conserveira do Arade wurde 2015 gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, die Tradition der Konservenindustrie mit der heutigen Qualität und Effizienz zu vereinen.
Das Unternehmen ist als handwerklicher Erzeuger zertifiziert und produziert seine Konserven mit Sardinen, Makrelen und neu auch Oktopus in reiner Handarbeit und legt Wert auf lokale Produkte von lokalen Anbietern.
Auf dem sich in Familienbesitz befindenden Weingut Morgado do Quintão werden organische Weine angebaut. Gleichzeitig bietet das Gut Cottages für einen Aufenthalt. Am grossen Tisch im Garten können Besucher ein typisches Mittagessen mit entsprechender Weinbegleitung geniessen und wer will kann sogar einen ganzen Tag auf dem Gut verbringen und beim Schneider der Reben mithelfen und ist dafür zum Mittagessen eingeladen.

Der rund zwölf Kilometer lange Wanderweg ‘Seven Hanging Valleys’ ist einer der Höhepunkte der Algarve. Der Weg bietet unter anderem eine Reihe bemerkenswerter Stopps am Leuchtturm von Alfanzina und an den Stränden von Benagil und Carvalho.
Die Wanderung führt entlang der Spitze der Steilküste mit ihren geschwungenen Felsformationen, Dolinen und den schönen ockerfarbenen und gelben Farbtönen umrahmt vom azurblauen Meer. Die Szenerie entspricht haargenau derjenigen, die man sich von der Algarve vorstellt.

Charmantes Faro

Den wahren Charme offenbart Faro bei einem Spaziergang durch die verwinkelte Altstadt mit den historischen Bürgerhäusern aus dem 17. Und 18. Jahrhundert. Am besten, man betritt sie über das prächtige Eingangstor Arco da Vila, auf dem noch Störche nisten.
Der Aufstieg zum Glockenturm der Kathedrale Sé wird mit einem fantastischen Rundblick auf das Zentrum und den lebendigen Yachthafen belohnt. Und nach dem Abstieg warten schon gemütliche Strassencafés und zahlreiche ausgezeichnete Restaurants, in denen regionaltypische Spezialitäten wie der Eintopf Caldeirada oder Reis mit Meeresfrüchten zelebriert werden.
Die Algarve hat mehr zu bieten als Strand, Felsen und Golfplätze. Wer sich die Zeit nimmt und die richtige Reisezeit wählt, kann sich auf tolle Erlebnisse, freundliche Menschen und eine ausgezeichnete Kulinarik freuen.
Hans-Peter Brasser, Algarve
