
Die Mehrheit der Reisebüroprofis nutzt sie wie eh und je: die Kataloge der Reiseveranstalter. Zum Teil gehen die Ansichten jedoch weit auseinander, was in einer Broschüre zu finden und sein muss.
Einig sind sich aber alle, dass die üblichen Katalogen mit Preistabellen und Ab-Preisen, die wenige Wochen später aus diversen Gründen schon nicht mehr stimmen, ein Ding der Vergangenheit sind. Doch wie sieht der Katalog und der Reisebüro-Vertrieb der Zukunft aus?
Im Interview mit TRAVEL INSIDE klärt Verda Birinci-Reed, COO von DER Touristik Suisse, auf, wie die Marken der Gruppe ihre Kataloge konzipieren, wer für die Gestaltung des Portfolios verantwortlich ist und welche Bedeutung die Kataloge im Vertrieb ihrer Produkte einnehmen.
Verda Birinci-Reed, wie unterscheiden sich die Kataloge der DER Touristik-Marken aktuell untereinander?
Analog der grossen Vielfalt an Marken innerhalb der DER Touristik Suisse unterscheiden sich auch die Publikationen hinsichtlich des Aufbaus, der Gestaltung und der Inhalte voneinander.
Kataloge mit Produktbeschreibungen und Preisindikationen sind aber Standard, wobei Magaloge mit zusätzlichem Content, Interviews und Einblicke hinter die Kulissen unser Sortiment an Print-Produkten mehr und mehr ergänzen. Auch Themenkataloge werden von unseren Marken regelmässig herausgegeben.
Welche Informationen müssen in jedem Katalog zwingend abgedeckt werden?
Natürlich die Abbildung unserer Themenwelten, die Beschreibung unserer Destinationen und Angebote, Preisindikationen, aber auch rechtliche Aspekte wie unsere AGB. Auf einen guten Mix zwischen Inspiration und Information legen all unsere Marken wert.
Einige Kataloge haben Ab-Preise, einige gar nicht. Sind Preisangaben also nur für bestimmte Marken notwendig? Weshalb?
Aufgrund der mittlerweile sehr dynamischen Preiswelt haben sich Entwicklungen bezüglich der Preisdarstellung in Katalogen aufgedrängt. Die allermeisten unserer Kataloge bilden aber weiterhin mindestens Ab-Preise ab, andere ermöglichen mit QR-Codes den Zugang zu detaillierten Preisangaben und weiteren Informationen.
Uns leitet bei der jährlichen Evaluierung unserer Katalogproduktion die Frage: Wie werden wir den Ansprüchen unserer Zielgruppen bestmöglich gerecht? Rückmeldungen unserer B2B und B2C Kundinnen und Kunden sind entscheidende Kriterien bei der Weiterentwicklung unserer Katalogwelt.
Wie wichtig sind Kataloge und warum?
Der Katalogverbrauch hat sich in den letzten Jahren verringert, er bleibt aber ein wichtiges Instrument. Gerade im B2B-Bereich sind sie immer noch stark nachgefragt; das zeigen Rückmeldungen unserer Geschäftspartner.
Für B2C Kundinnen und Kunden nimmt die Relevanz zugunsten digitaler Inhalte tendenziell etwas ab. Mindestens ist die Zeit vorbei, in der an unseren Point of Sales oder an Messen gleich zehn Kataloge eingepackt wurden. Ich gehe davon aus, dass das Papierformat im Zuge der fortlaufenden Digitalisierung auch weiterhin etwas an Bedeutung verlieren wird.
Welche Inhalte werden ausserhalb der Kataloge für Reisebüros bereitgestellt?
Unsere Geschäftspartner haben Zugang zu einem Extranet, eigene Filialen zusätzlich zu einem Intranet mit weiterführenden Informationen. In Newslettern stellen wir weitere aktuelle Informationen zur Verfügung und Reisebüros erhalten Unterstützung im Marketing unserer Marken und Reisen.
Ist der Katalog ein besseres Beratungstool als die eigene Webseite?
Das ist stark abhängig von den individuellen Bedürfnissen. Manche sind sehr digital unterwegs, anderen möchten keineswegs auf Kataloge verzichten. Wir wollen beiden Ansprüchen gerecht werden.
Wer ist das Zielpublikum: die Agenten, die Kataloge als Beratungstool nutzen, oder die Kunden?
Beide, mit unterschiedlichem Nutzungsgrad.
Wer entscheidet, was in die Kataloge kommt?
Die Markenautonomie innerhalb von DER Touristik Suisse ist gross. Folglich verfügen die General Manager und Product Manager der einzelnen Marken über viel Entscheidungskompetenz. Dabei treffen sie ihre Auswahl über bisherige, neue und nicht mehr berücksichtigte Produkte immer auch anhand der Rückmeldungen von Kundinnen und Kunden. Diese sind indirekt Co-Creators unserer Publikationen.
Einige Inhalte – etwa die Darstellung unserer markenübergreifenden Nachhaltigkeits-Leistungen – finden Eingang in zahlreiche Kataloge von DER Touristik Suisse.
Wie häufig erscheinen die jeweiligen Kataloge?
Im Regelfall jedes Jahr oder jedes zweite Jahr.
Mit welcher Auflage wird produziert?
Auch hier ist keine Standard-Antwort angesichts der Vielzahl unserer Marken möglich. Meistens liegt die Auflage im tiefen, manchmal auch im mittelhohen fünfstelligen Bereich. Aus Nachhaltigkeits-Überlegungen drucken wir auf FSC-Papier und sind selbstverständlich bemüht, bei der Wahl der Auflage die tatsächliche Nachfrage so präzise wie möglich abzuschätzen.
Wie läuft der Versand an die Reisebüros ab: Gehen die Kataloge an alle, gemäss einem Verteiler oder nur auf Bestellung?
Es geschieht ein Initialversand auf Basis einer von uns durchgeführten Bedarfsbefragung. Und dann sind natürlich auch Bestellungen jederzeit möglich.
Wie wird der Einkauf für die jeweiligen Produktabteilungen koordiniert? Wird das zentral von Frankfurt aus gesteuert oder macht das jede Marke selbst?
Bis auf Kuoni und Helvetic Tours tun dies unsere Marken autonom bei uns in der Schweiz. In Frankfurt ist ein Produktteam ausschliesslich für die Produktepalette unserer Kernmarke Kuoni zuständig.
Kommt es vor, dass in der Schweiz Produkte notwendig sind, die in Deutschland nicht vertreten sind? Wie wird das gehandhabt?
Wir legen grossen Wert darauf, dass die Kuoni Produktepalette den Bedürfnissen des Kundensegmentes entspricht. Folglich finden gewisse in Deutschland eingekaufte Premium Produkte ausschliesslich Eingang in die Kuoni Produktepalette. Dies entspricht aber nicht dem Regelfall, da das in Deutschland verantwortete Produktportfolio sehr breit aufgestellt ist.
Gibt es bei DER Touristik Suisse auch ein In-House-Beratungsteam oder deckt der Vertrieb im Reisebüro alle Wünsche der Kundschaft ab?
Unsere Spezialveranstalter verfügen über eigene Verkaufsteams, bei der Buchung von Reisen unserer Volumenmarken Kuoni und Helvetic Tours unterstützt das Service Center eigene Reisebüros und Geschäftspartnern.
Interview: Luisa Schmidt








