Feedback: «So schlimm wie dieses Mal habe ich Kuba noch nie erlebt»

TRAVEL INSIDE Leser Franz Josef Mergen äussert sich zur Leser-Reaktion von Armin Graber und Bernd Herrmann zur Situation auf Kuba.

Nach den Hurricanes Oscar und Rafael, sowie dem Erdbeben im Osten Kubas, kam es im Oktober zu einem landesweiten Blackout.

Gemäss Armin Graber, Leiter Marketing beim Lateinamerika-Spezialisten Miller AG, wird die Situation auf Kuba in vielen Medien übertrieben und falsch dargestellt. Dies habe sowohl Reisebüros als auch potenzielle Kubareisende sehr verunsichert.

Armin Graber ist in Kontakt mit der Partneragentur von Miller AG in Kuba. Deren Geschäftsführer Bernd Herrmann hat die Geschehnisse hautnah miterlebt und schildert die Situation in Kuba als persönlich Betroffener. Hier geht es zum Leser-Feedback.

Die TRAVEL INSIDE Leser Franz Josef Mergen und Kurt Pfander äussern sich zur Lage auf der Insel.


Kurt Pfander, Schliern b. Köniz

«Zu den Berichten zu Kuba möchte ich mich auch äussern. Erstmals war ich im Dezember 1994 auf Kuba. Schon damals galt die ‘Perioda especial’. Inzwischen wurden es 25 mal. Letztmals im Mai diesen Jahres.

So schlimm wie dieses Mal habe ich Kuba noch nie erlebt: Die Familie meines Partners lebt in Camajuani – das liegt in der Provinz Villa Clara – zwischen Santa Clara und Caibarien. Von 24 Stunden Strom hatten wir höchstens deren 10 pro Tag und man wusste nie genau, von wann bis wann es ihn wieder gibt. Für die einheimische Bevölkerung ist das kaum zu ertragen und es ist das Gesprächsthema Nummer 1.

Leser Franz Josef Mergen hat recht, was er über die Geschäfte schreibt: Ich habe es mit eigenen Augen gesehen und auch fotografiert, wie leer die Geschäfte dort sind. Und das was man noch kaufen kann, ist so teuer, dass es sich die Meisten nicht leisten können.

Mich würde auch interessieren, wo die Tankstellen für Touristen sind? Durch all meine Reisen kenne ich praktisch jede Tankstelle an der A1 und die waren für alle offen. Wer die Kubaner kennt weiss, dass Not erfinderisch macht und man immer von irgendwoher Benzin bekommt (auch Kängurubenzin).

Auch mir sind die bettelnden Kinder aufgefallen, was ich vorher nie so erlebt habe.

Wir verbrachten noch eine Woche im 5* Hotel Melia Paradisius los Cayos auf den Cayos Santa Maria. Das Essen war zum Heulen (ausser dem Obst und den Desserts) und das Nationalgetränk den ‘Mojito’ gab es nirgends, weil es kein Blöterliwasser gab. Unvorstellbar!

Das Hotel war nur zu rund einem Drittel besetzt und das praktisch nur von Exil Kubanern aus Miami. 

Man muss auch ehrlich sein: Nach Corona ist der Tourismus auf Kuba sehr schlecht angelaufen und bis heute fast so geblieben. Oder wieso hat die Edelweiss ihre Flüge nach Havanna im Sommer eingestellt? Ich erinnere mich noch, dass es Zeiten gab, wo sie Havanna, Varadero und Holguin im Flugplan hatten. 

Während meines Aufenthaltes im Mai dieses Jahres wurde im Staatsfernsehen gross angekündigt, dass die Regierung ein Tourismus Abkommen mit den Chinesen unterzeichnet habe, die den Aufschwung bringen sollen…»


Franz Josef Mergen

«Stürme/Unwetter sind nicht das Problem in Kuba. Die gibt es jedes Jahr im Zeitraum Oktober bis Ende November, war schon immer so. Das Problem ist die marode Infrastruktur. Mitte Oktober war der landesweite dreitägige Stromausfall nicht auf das Wetter zurückzuführen. Die Gründe liegen ganz woanders.

Und dann habe ich jetzt erstmals gelesen, dass es in Kuba spezielle Tankstellen für Touristen geben soll, also kein Benzinmangel. (ich kaufe das Benzin immer bei  Bekannten von meiner dortigen Familie, entweder haben die immer ein paar Liter in Kanister zu verkaufen oder zapfen aus ihren eigenen Autos mal ein paar Liter ab. Letztere Variante ist die sicherere, in Kanister kann es schon mal ‘Kängurubenzin’ sein.

Es würde mich sehr interessieren, wo diese sogenannten Touristentankstellen sind und wie man sie erkennt?

Und wie sieht es mit der Versorgung von Lebensmitteln in Geschäften aus? Die Geschäfte sind doch leer, ausverkauft. Und was das Essen in Hotels angeht, das ist immer mit Vorsicht zu geniessen, leichte bis schwere Lebensmittelvergiftungen sind keine Seltenheit.

Und dann war mir noch ein für Kuba unbekanntes Phänomen aufgefallen: hungernde, bettelnde Kinder in den Strassen, Kinder in totalverdreckten Zustand, mit kaputter Bekleidung, verkaufen irgendwelche essbaren Sachen, um zu überleben. Hieraus resultiert auch eine höhere Kriminalität. Mit Diebstählen fängt es ja schon am Flughafen in Havanna an.

Aus meiner Sicht haben es die Medien nicht übertrieben. Ist doch nur die Spitze vom Eisberg.»