Im Camper durch Kanada und Alaska (I)

Logbuch eines Roadtrips mit einem Truck Camper durch British Columbia, den Yukon und Alaska – 1. Teil.
Bärenwarnung am Stewart Highway in British Columbia ©BE

Als 1896 die ersten Nachrichten unermesslicher Goldfunde aus dem hohen Norden an die Westküste der USA tröpfelten, gab es bald kein Halten mehr: Seattle entwickelte sich über Nacht zu einem wirbligen Ausgangspunkt für Goldsucher, die sich Hals über Kopf per Schiff oder übers Land ins ferne Eldorado aufmachten.

128 Jahre später übernehmen wir in der Go North-Station bei Seattle unseren Ford Truck Camper, mit dem wir Tausende von Kilometern auf den Spuren eines unglaublichen Massenphänomens zurücklegen wollen. In Seattle erinnert der Klondike Gold Rush National Park an diese höchst bewegte vergangene Epoche.

Camper-Anbieter mit Schweizer Wurzeln

Go North ist der führende Anbieter von Campern, Mietwagen und Leistungen in Alaska und im Yukon mit Schweizer Wurzeln. Gründer und Inhaber ist Rolf Meyer, einst ein Mitbegründer des Schweizer Veranstalters Para Tours, der unter anderem auch Alaska anbot.

Vor über 30 Jahren machte sich Meyer mit einem Destination Management in Alaska und dem Yukon selbständig. Daraus entstand über die Jahre das heutige Unternehmen Go North, das nebst Touren vor allem Camper und Mietwagen anbietet.

Go North betreibt Stationen in Anchorage, Fairbanks, Whitehorse und Seattle und gehört nicht nur bei Schweizer Reiseveranstaltern zu den wichtigen Partnern für diese spannende Reise-Region.

Der Cariboo Gold-Rush in B.C. British Columbia

Auftakt bildet die Strecke von Seattle nach Vancouver, weiter entlang der malerischen Horseshoe Bay und über die Bergroute durch die Lilloet Range mit dem Skiort Whistler bis Cache Creek, wo es auf dem Cariboo Highway nordwärts geht.

Eine liebliche, oft landwirtschaftlich genutzte Hügellandschaft, in Wälder eingebettete Seen mit hübschen Campgrounds und Ortschaften, die mangels passender Namen kurzerhand ’70 Mile House’, ‘100 Mile House’ oder ‘150 Mile House’ heissen, säumen die Fahrt.

Goldgräberstadt Barkerville ©BE

 

Die Namen erinnern an den einstigen Cariboo Wagon Trail, auf dem bereits in den 1860er-Jahren Goldschürfer in diese Gegend strömten. Das Fieber brach am Frazer River aus und an den Hängen der Cariboo Mountains, heute ein Paradies für Heli-Skiing.

Ab Quesnel führt ein lohnenswerter Abstecher nach der einstigen Goldgräber-Boomtown Barkerville, eine im ‘Ballenberg-Stil’ sorgfältig restaurierte und animierte historische Siedlung, welche die Zeit des Gold Rush stimmungsvoll und authentisch wiederaufleben lässt.

Ab Prince George geht es auf dem Yellowhead Highway entlang einstiger Trails westwärts. Eine hügelige Seenlandschaft mit hübschen Campgrounds. Ein Stopp im kleinen Skiort Smithers mit seiner Statue eines Schweizer Alphornbläsers oder das historische Ksan Village der Native Nation sorgen für Abwechslung.

Vergnügliches Camper-Leben
Truck-Camper von Go North ©BE

Das Leben und Reisen im Truck Camper ist eine vergnügliche Erfahrung.

Das bequeme, gar komfortable ‘Schneckenhaus’ ist zwar eng, bietet aber zwei Personen durchaus genügend Platz und überrascht mit seiner Vielseitigkeit.

Die breite Bettnische über der Fahrerkabine ist kuschelig und warm, Tisch und Bänke können in ein Zusatzbett verwandelt werden und in der Nasszelle mit WC und Lavabo ist gar Duschen möglich. Es gibt gar eine Heizung (was im Norden geschätzt wird), und Gasherd, Frigo sowie alles notwendige Geschirr lassen Kochkünste zu.

Oft ist jedoch am Stellplatz auf den Campgrounds eine Feuerstelle für Barbecues vorhanden. Gemütliche Abende am knisternden Feuer in der abgeschiedenen Natur bleiben als unvergessliche Erinnerungen haften. Eine wärmende Jacke wird im September weiter nordwärts aber immer wichtiger.

Sowohl in Kanada wie in Alaska unterscheidet man zwei Arten von Campgrounds. An landschaftlich reizvollen Stellen an einem Fluss oder See gibt es vielerorts örtliche ‘Public’ Campgrounds. Für rund 20 Dollar die Nacht kann man im Self-Service-Verfahren einen Stellplatz mit Feuerstelle und Tisch nutzen.

In der Nähe von Ortschaften und Städten finden sich privat geführte Campgrounds, die nebst Wasser- und Stromanschluss sowie Abwasser-Entsorgung noch weitere Services wie WC und Dusche oder einen Shop anbieten. Diese Campgrounds kosten zwischen 50 und 90 Dollar die Nacht.

Abgelegener Cassiar Highway

Während der Yellowhead Highway weiter an die Küste nach Prince Rupert zieht, zweigt in Kitwanga der Cassiar Highway ab, der nordwärts durch eine der am wenigsten besiedelten Regionen von British Columbia bis in den Yukon führt.

Ab hier gilt es stets die Tankfüllung im Auge zu behalten. Entlang des über 720 Kilometer langen Cassiar Highways sind Tankstellen äusserst rar. Die seltenen Orte am Highway sind oft nicht viel mehr als eine skurrile Ansammlung von klapprigen Gebäuden mit viel Kram rund ums Haus.

Cassiar Highway ©BE

 

Auch das Landschaftsbild hat sich verändert: Endlose Wälder, die sich über weite Gebiete erstrecken oder an den Flanken hoher Gebirgszüge knabbern, bestimmen die Fahrt. Glück hat, wer mal Bären oder ein Moose sichtet, die in der Weite der Wildnis besseres zu tun haben als am Strassenrand auf Touristen zu warten.

Doch die Strecke verströmt Geschichte: Auch hier gab es einst Goldfunde, und wie der Cariboo und der Yellowhead Highway folgt auch der Cassier Highway in groben Zügen dem mühsamen Trail, den die Goldsucher auf dem Weg ins verheissungsvolle Eldorado unter die Füsse nahmen.

Abstecher nach Stewart
«Ghost-Town» Hyder ©BE

In Meziadin Junction zweigt der Highway nach Stewart ab, ein empfehlenswerter Abstecher. Steile Bergflanken des Küstengebirges und der Bear Gletscher säumen die Fahrt in das an einem schmalen, endlos langen Meeresfjord gelegene Städtchen hinunter, das heute vom Tourismus und der Holzindustrie lebt.

Direkt bei Stewart verläuft die Grenze zwischen British Columbia und dem «Panhandle» des US-Staats Alaska. Gleich nebenan liegt Hyder, der südlichste Ort Alaskas. Die skurrile, kaum mehr bewohnte ‘Ghost-Town’ wartet aber mit einem beliebten Aussichtspunkt auf, wo Bären beim Lachs-Znacht zu beobachten sind.

Zurück auf dem Cassiar Highway zieht sich die Fahrt schier endlos dahin. Verkehr gibt es kaum, ab und zu kreuzt ein Camper, oder gewaltige Laster mit Baumstämmen donnern vorbei – die Einheimischen heben, wenn nötig, auch mal von Graspisten mit Kleinflugzeugen ab.

Ein willkommener Stopp bietet Bell 2, im Winter ein feines Resort von Last Frontier mit tollem Heli-Skiing in den Coast Ranges,. Stunden später taucht Dease Lake auf, mit gut 200 Einwohnern der grösste Ort am Highway. Nach Jade City liegt in der Abgeschiedenheit des Boya Lake ein traumhafter Campground mit Stellplätzen direkt am See.

Zum Ursprung des Yukon River

Nach der Grenze zum Yukon stösst der Cassier Highway in der Nähe von Watson Lake, dem Tor zum Territorium, auf den berühmten Alaska Highway. Der Sign Post Forest in Watson Lake ist ein verblüffender Schilderwald, wo seit Jahrzehnten Besucher aus aller Welt ihre Auto-, Orts- oder Strassenschilder aufpflanzen.

Im Tourist Information Center nebenan informiert eine sehenswerte Ausstellung über die Geschichte des Alaska Highway. Diese Verbindung wurde während des 2. Weltkriegs im Eiltempo als erste Verbindung von British Columbia über den Yukon nach Alaska gebaut. Heute ist der moderne Highway so etwas wie eine Lebensader.

Sign Post Forest in Watson Lake ©BE

 

Auch hier gilt auf der Weiterfahrt nordwestwärts: Tankstellen lassen oft lange auf sich warten. Dafür ist die Strecke genussvoll: In den Cassier Mountains schlängelt sich der Highway höchst attraktiv durch menschenleere Täler, bis der Teslin Lake ein erster Ursprung des mächtigen Yukon River markiert.

Dem Yukon River fällt eine dominierende Rolle für den Klondike-Gold Rush zu, und er weist einen eigenwilligen Verlauf auf. Er entspringt unweit der Pazifikküste an den Nordhängen des Küstengebirges, zieht aber dann in einem gewaltigen Halbbogen quer durch Alaska und mündet nach 3185 Kilometer in die Beringsee.

Ab hier, dem Ursprung des Yukon, konnten die Stampeders auf Booten und Schiffen flussabwärts in die verlockenden Goldfelder weiterreisen. Begüterte Goldjäger reisten per Schiff von Seattle nach St. Michel an der Mündung des Yukon-River, um von dort mit einem Schaufelraddampfer stromaufwärts in die Klondike-Region zu gelangen.

Die dramatischen Pass-Routen
Oberlauf des Yukon River ©BE

Die dramatischste Route verlief aber nochmals anders: Per Schiff ging es von Seattle nach Skagway im Panhandle Alaskas, während des Gold Rush eine wilde, weitgehend gesetzlose Boomtown. Von hier galt es über schwierige Pass-Trails das Küstengebirge zu überwinden, um an den Oberlauf des Yukon River zu gelangen.

Vor allem im Winter spielten sich am White Pass und am Chilkoot Pass unglaubliche Szenen ab, und auf den Passhöhen prüften kanadische Grenzbehörden, ob die Goldsucher genügend Lebensmittel und Material mitschleppten, um monatelang in der Wildnis des Yukons zu überleben.

Am Benett Lake, nördlich der Pässe, entstand eine grosse Zeltstadt. Boote wurden gebaut, um damit gleich loszufahren, sobald die Gewässer eisfrei sind. Findige Unternehmer liessen sich jedoch nicht lange bitten und bauten noch Ende des 19. Jahrhunderts eine Eisenbahnlinie von Skagway über den White Pass bis Whitehorse.

Heute ist die White Pass & Yukon Railway von Skagway nach Carcross am Benett Lake eine attraktive saisonale Strecke für Touristen. Die bewegte Vergangenheit ist im kleinen Ferienörtchen am blauen See mit den schneebedeckten Gebirgszügen im Hintergrund nach wie vor spür- und erlebbar.

Beat Eichenberger


Der 2. Teil des Gold Rush-Logbuchs erscheint morgen.