
«Peter Achten 1939 – 2022: 1987 war für ihn genug. Er verliess den sicheren Hafen der ‘Tagesschau’ und ging als freier Korrespondent nach Peking. Wir haben uns damals über seinen Schritt eingehend unterhalten, denn ich hatte mich entschieden, in einer Art Gegenzug, mich mit dem News-Journalismus der ‘Tagesschau’ vertraut zu machen.
Die Neugier, vor Ort zu recherchieren und nicht nur die Meldungen der Nachrichtenagenturen zu verarbeiten, hat ihn angetrieben. Auch war er mit dem Reisevirus infiziert.
Wir haben uns in unregelmässigen Abständen getroffen – natürlich vor Ort, denn vom besagten Virus war auch ich befallen. Wir trafen uns in Hongkong oder in Washington und immer war ich fasziniert, mit welcher journalistischen Tiefenschärfe er die Situation in den jeweiligen Ländern analysieren konnte.
Er hielt auch nicht zurück mit Kritik am Meinungsjournalismus, der es sich zu einfach macht mit der vorschnellen Verbreitung von moralgetränkten (Vor-) Urteilen. Vor wenigen Monaten führte ich mit ihm noch ein Interview für TRAVEL INSIDE über das angespannte Verhältnis zwischen der autokratisch regierten Volksrepublik China und dem demokratisch orientierten Westen. Auslöser waren Forderungen, zukünftig auf Reisen nach China zu verzichten.
In seinem journalistischen Selbstverständnis war er klar gegen einen solchen Reiseboykott. Reisen war für ihn das wichtigste Argument, um andere Kulturen kennenzulernen und einen Dialog für ein gegenseitig besseres Verständnis zu führen – ohne dabei seine eigene Position zu verstecken.
Peter Achten war vielfach als Referent mit Teilnehmern von Leserreisen unterwegs. Seine klaren, unerschrockenen Analysen haben dazu beigetragen, den Reisenden aus der Schweiz ein differenziertes und unabhängiges Bild fremder Kulturen zu vermitteln.
Seine Stimme ist verstummt. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Journalisten, dessen Haltung für Gerechtigkeit, Unabhängigkeit und sachliche Analysen kommenden Journalistengenerationen ein Vorbild sein sollte.»
Kurt Schaad
