
STAR-Präsident Luc B. Vuilleumier musste einiges an Kritik einstecken, weil er sich mit einer E-Mail an den Ständerat wendete und die ‘Motion Ettlin’, welche eine vorübergehende Staatsgarantie für die Kundengeldabsicherer fordert, im Namen der Swiss Travel Security (STS) zur Ablehnung empfahl.
Bei den anderen Kundengeldabsicherern, dem Garantiefonds und der Travel Professional Association (TPA), stiess dies auf grosses Unverständnis und wurde beispielsweise von TPA-Präsidentin Sonja Laborde kritisiert.
Im Folge-Interview mit TRAVEL INSIDE nahm Luc Vuilleumier zu den Vorwürfen Stellung und erklärt die ablehnende Haltung der STS.
Zuletzt meldete sich SRV-Präsident Martin Wittwer zu Wort und bot sich als Mediator in der Angelegenheit an.
TRAVEL INSIDE hat den TPS-Co-Vorsitzenden Kurt Eberhard um seine Sicht der Situation gebeten. Im Interview schätzt er die Motion ein, sowie auch die daraus resultierende Kundengeldabsicherungs-Debatte.
Kurt Eberhard, Sie haben sicher die Kontroverse um die Motion Ettlin/Staatsgarantie für die Kundengeldabsicherung im TRAVEL INSIDE eng verfolgt.
In der Tat. Man konnte ihr fast nicht ausweichen…
Wie ist Ihre Position bezüglich der Motion, bzw. der Idee von STS-Chef Vuilleumier ‘zuerst Kundengeldabsicherung genau definieren’?
Ständerat Ettlin umschreibt das Problem meiner Meinung nach sehr detailliert und verständlich.
Abgesehen von einer für die Branche als Gesamtes positiven Nachricht an die Konsumenten, nämlich: «Die Reisebranche stellt deine einbezahlten Gelder wie bis anhin sicher, aber auf Grund der besonderen Lage wäre auch der Staat mit seiner schützenden Hand zur Stelle, sollte dies nötig sein.», sehe ich keine negativen Folgen für die Branche oder einzelne Teilnehmer.
Im Gegenteil! Im besten Fall käme die «zeitlich befristetete Absicherung» nie zur Anwendung und wenn doch, würde es der Branche als Gesamtes wohl kaum schaden.
Muss das sein, zuerst Kundengeldabsicherung genau definieren?
Der Wunsch von Luc Vuilleumier, zuerst die Kundengeldabsicherung als solches zu definieren, ist nicht grundsätzlich falsch aber nicht zwingend mit der Motion Ettlin zu verbinden. Das gehört übergeordnet eher in eine Revision des «Bundesgesetz(es) über Pauschalreisen».
Im Pauschalreisegesetz: ist das möglich?
Der Gesetzgeber hat das bei der Formulierung im «Bundesgesetz über Pauschalreisen» in Abschnitt 10. Artikel 18 bewusst oder allenfalls auch in Unkenntnis der dereinstigen Komplexität unbewusst offen gelassen.
Fakt ist: Der Kunde versteht den Unterschied zwischen einer Pauschalreise und einer Nicht-Pauschalreise meistens nicht. Selbst unsere Branche ist sich nicht immer einig, was man jetzt dem Kunden gerade verkauft hat.
Ausserdem: Je nach Definition, was eine Kundengeldabsicherung sein muss – nur Pauschalreisen versus alle gebuchte Leistungen, unabhängig davon ob als Einzelleistung oder als Pauschalreise gebucht? – müsste man zuerst das Gesetz mit einem neuen Titel versehen.
Ich bin mir nicht sicher, ob das zielführend und in nützlicher Frist umgesetzt werden könnte. Wir kennen alle die langwierigen politischen Prozesse in Bern. Insbesondere dann, wenn die Sache im Parlament keine Priorität geniesst; Stichwort Motion Markwalder. Ausserdem kann man geteilter Meinung sein, ob das im Interesse der Branche und dann noch finanzierbar wäre.
Wie sehen Sie die Rolle vom TPS in dieser Diskussion?
Wir unterstützen die Motion von Ständerat Ettlin, weil sie zum Vorteil der Branche ist. Das offensichtlich unilaterale Vorgehen des Garantiefonds ohne Miteinbezug der anderen Kundengeldversicherer war ein taktischer Fehler.
Ich habe deshalb auch ein wenig Verständnis, dass sich Luc Vuilleumier hier links liegen gelassen fühlt. Die Art und Weise der Reaktion, mit dem direkten Anschreiben der Parlamentarier scheint mir aber übertrieben und der Schaden irreversibel.
Und wie sehen Sie die Rolle von SRV und Präsident Wittwer?
Es schadet sicher nicht, wenn jemand vermittelt.
Was heisst das für den SRV, agiert der SRV, Ihrer Meinung nach, richtig?
Dem SRV wird ja oft vorgeworfen, er sei zu nahe am Garantiefonds. Das ist historisch, aber auch durch die physischen Büros bedingt, nicht unbegründet. Wenn der SRV sich in der Angelegenheit zurückhält, kann man das auch in diesem Licht sehen und als bewusste Nichtparteinahme interpretieren.
Aber klar, wenn der SRV die Motion unterstützt, wird ihm die Nähe zum Garantiefonds vorgeworfen und wenn er sich nicht an der Diskussion beteiligt, wirft man ihm vor, sich nicht für die Branche einzusetzen. Es wäre schon besser gewesen, wenn von Anfang alle im Boot gewesen wären.
Und was halten Sie, bzw. TPS, davon, nur eine Kundengeldabsicherung in der Schweiz anzustreben?
Grundsätzlich wäre es rein kommunikationstechnisch gegenüber den Konsumenten ein starkes Zeichen, wenn man nur noch eine einzige Kundengeldabsicherung vermarkten könnte. Aber wohin bei einem Monopol dann die Preise für die Mitglieder führen, scheint offensichtlich. Konkurrenz ist ja nicht grundsätzlich ungesund.
Interview: Christian Maurer
