Michael Grütter: «Nur auf dem Liegestuhl liegen, genügt nicht mehr»

ETI-Chef Michael Grütter im Interview mit TRAVEL INSIDE.
Michael Grütter, ETI

Seit 2007 verkauft Express Travel International (ETI) auch in der Schweiz erfolgreich Ferien in Ägypten.

Michael Grütter, Geschäftsführer des Schweizer Ablegers von ETI, äussert sich im Interview mit TRAVEL INSIDE über das angebrochene Jahr, die Stärken des Ägypten-Spezialisten und die aktuellen Trends.


Michael Grütter, womit und wie möchte ETI besonders punkten? Wo liegen Ihre Stärken? 

Beständigkeit, Zuverlässigkeit, Kundennähe, Erreichbarkeit, Hilfsbereitschaft und den Generalisten in Sachen Flexibilität zehn Schritte voraus. Unsere Stärken liegen seit der Gründung von Express Travel International im Jahre 2007 im starken Produkt, attraktiven Preisen – die übrigens über alle DACH-Märkte in Euro oder CHF identisch sind – und äusserst kompetenten Mitarbeitern.

Zudem greifen wir – neben vielen weiteren Hotels – auf ein exklusives Sortiment der Red Sea Hotelgruppe zu, das bei allen Gästen sehr gut ankommt. Eine weitere Stärke ist das Flugprogramm, welches mit Edelweiss Air, Chair, Sun Express/Air Cairo aber auch mit Vollcharterlösungen wie Fly Egypt oder Nesma, ergänzt wird. Der fantastisch gebuchte Frühling zum Beispiel, hat nur noch wenige freie Plätze auf unserem Vollcharter mit der Nesma Airline. 

Wie unterscheidet sich ETI von anderen Anbietern/Spezialisten?   

Sind wir ehrlich, der Unterschied liegt häufig in der Hand von spezialisierten, freundlichen Mitarbeitern, die hilfsbereit und lösungsorientiert agieren. Da sind wir stark, enorm stark. Der ganze Auftritt mit Buchbarkeit auf allen Kanälen, grosszügigen Provisionsdeals mit unseren Partnern, macht uns interessant. Und jeder der uns schon «probiert» hat, lässt nicht mehr los.

Wie war das Reisejahr 2022 rückblickend bezüglich Umsatz, Destinatio­nen und Saisonalität im Vergleich zu 2019? 

Das touristische Geschäftsjahr 2022 hat sich für uns sehr positiv präsentiert. Der Start anfangs Jahr war noch geprägt durch Corona mit dem Omikron Wahnsinn und der Testpflicht für eine Rückkehr in die Schweiz.

Auch die Ankündigungen, dass im Herbst dann wieder die nächste Welle anrollen wird, hat zum Jahresstart nicht sehr viel geholfen. Aber glücklicherweise hat sich das im Laufe des Jahres beruhigt und wir konnten Kapazitäten sichern, die uns ein sehr erfreuliches Geschäftsjahr bescherten. 

Welches Thema hat Sie respektive Ihre Firma in den letzten Monaten am meisten beschäftigt? Was beschäftigt Sie aktuell? 

Uns beschäftigen dieselben Dinge wie alle anderen auch. Der Ukrainekonflikt stimmt uns alle nachdenklich und die dadurch ausgelösten Versorgungskrisen, Inflation und allgemeinen Unruhen, beeinflussen Ferienplanung und Reiselust. Aber auch die bewältigte Coronakrise, die uns vom Feb/März 2020 bis ins letzte Jahr 2022 verfolgte, hinterlässt Spuren – insbesondere in der Nachbearbeitung und der Frage «what’s next»? 

Wo liegen die Trends in diesem Jahr? 

Wir spüren wieder vermehrt Nachfragen nach Rundreisen, Nilkreuzfahrten und buchen über unsere Agentur Ausflüge an den Zielgebieten wie noch nie. Das Interesse während den Ferien noch kulturelle- und geschichtsträchtige Eindrücke zu sammeln, ist grösser denn je. Nur auf dem Liegestuhl zu liegen, genügt nicht mehr. Unsere Kunden sind von A-Z einer Reise dermassen gut aufgehoben und betreut, dass aktive Gäste sich bei Express Travel International sehr wohl fühlen.

Wie sind die Erwartungen für 2023 im Vergleich zum 2022? 

Wir gehen davon aus, dass 2023 eine weitere Steigerung gegenüber 2022 verzeichnen wird. Das liegt auch daran, dass man die letzten Jahre in Entscheidungs- und Reisefreiheit eingeschränkt wurde und es entspricht einem verständlichen menschlichen Bedürfnis, rauszugehen und die Welt – oder ein Teil davon – zu entdecken. In der heutigen Zeit, geprägt durch Socialmedia, Informationsüberfluss, Bilderflut, Angst und Verunsicherung, ist der Wunsch nach einer heilen Welt riesengross. Während den Ferien macht man sich diese Welt und konsumiert nur noch einen Bruchteil der teilweise bitteren Realität.  

Wie war der Start ins 2023? 

Wir sind sehr zufrieden!

Sind Ihre Preise angestiegen – wenn ja, wie reagieren die Kunden darauf? 

Das ist stark abhängig vom Produkt, respektive Flugleistung. Während wir mit unseren Charterflugprogrammen auf gleichem Preisniveau agieren, können andere Fluggesellschaften stärkere Auswirkungen auf eine Preiskalkulation haben. Über Express Travel International profitiert man von einem europäischen Preis und erhält trotzdem die «nationalen» Leistungen, die erwartet werden.

Wird sich ihr Portfolio in Zukunft ändern? 

Ein erfolgreiches Portfolio soll man grundsätzlich nicht verändern. Wir verfeinern, verbessern und optimieren ununterbrochen. Das ist ein laufender Prozess, den wir täglich beobachten und Massnahmen ergreifen.   

Wie begegnet Ihr Unternehmen dem Fachkräfte­mangel, was muss die Branche diesbezüglich besser machen? 

Dieses Thema trifft Generalisten wesentlich stärker als Spezialisten, wie wir das sind. Fluktuation ist bei uns fast bei null, da wir grossen Wert auf glückliche, motivierte Mitarbeiter*innen legen und ihre Bedürfnisse ernst nehmen. Natürlich haben die vergangenen 20 Jahre an der Tourismusbranche genagt, da jede Krise weltweit, uns direkt trifft und viel von den Mitarbeiter*innen verlangt.

Wir verkaufen keine Schrauben oder Äpfel sondern Ferien, die eine riesige Erwartungshaltung sowohl emotional wie rational haben. Daher ist die Dienstleistung, die wir schon fast rund um die Uhr erbringen, enorm. Nicht alle haben die Kraft und Geduld, damit umzugehen. Früher war die Reisebranche ein Abenteuer mit Quereinsteigern rechts und Quereinsteigern links. Das ist heute nicht mehr der Fall.

Interview: Yannick Suter