Portugal: Verführerische Vielfalt, imposante Kulturschätze, tosende Monsterwellen

Mit einer kleinen Gruppe Schweizer Reiseprofis war TRAVEL INSIDE auf lustvoller Entdeckungsreise in Portugal.
Blick auf die goldene Bucht von Foz do Arelho ©TRAVEL INSIDE

Entspannt eingebettet zwischen dem weiten Atlantik, der Grenze zu Spanien, Nordportugal und der Region Lissabon, liegt das facettenreiche Herzstück des Landes: Centro de Portugal. Oder wie es Pedro, der lokale Reiseleiter, treffend formulierte: « We are in the middle of everything».

Energisch dreht Miguel am Steuerrad seines ökologischen Wasserfahrzeugs. Den Bucket Hut tief in die Stirne gedrückt, greift er gleichzeitig zum Fernglas und lässt den Blick über die Óbidos Lagoon schweifen.

Die grösste Salzwasserlagune Portugals ist ein faszinierendes Ökosystem mit komplexen biologischen Nischen. Nicht weniger als 175 verschiedene Vogelarten wurden identifiziert. Das Feuchtgebiet bietet zudem eine nachhaltige Lebensgrundlage für zahlreiche Fischarten, Muscheln und Krustentieren. Im Sommerhalbjahr sind hier auch die rosaroten Flamingos zu bewundern, die majestätisch durch das seichte Wasser stolzieren.

Unvermittelt wird klar, wohin Miguel quer über die Lagune tuckert. Brusttief stehen sie im Wasser, ruckeln mit seltsamen Fanggeräten im sandigen Wasserboden, und grabschen dann neugierig im tropfenden Sieb. Die Lagunenfischer von Óbidos.

 

In kleinen Gruppen oder isoliert machen die wasserdicht verpackten Gestalten lautlos Jagd auf wunderbar nussig schmeckende Venusmuscheln. Stundenlang. Täglich. Sofern es das Wetter erlaubt. Und dürfen auf einen Tagesverdienst von bis zu 80 Euro hoffen. Die Anzahl der Berufsfischer ist genau reguliert. Um die biologische Balance zu wahren, werden jährlich nur 200 Lizenzen ausgestellt.

Eine Stunde später können all die frisch gefangenen Meerestiere in der Tavola Lagoa in Foz do Arelho mit einem Glas lokalem Weisswein herrlich unkompliziert verlustiert werden. Für Miguel, dem König der Lagune, war es für diese Saison der letzte Arbeitstag auf seinem schmucken Explorer Boot. Im Winterhalbjahr organisiert der studierte Biologe und Haudegen Survival Trainings, Hiking- und Trekking Touren aber auch ethnologische Workshops und Gourmet Trips.

Paula die Zuckerbäckerin
Paula – die Zuckerbäckerin ©TRAVEL INSIDE

Über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist Paula Alves, eine strahlend jung gebliebene Macherin. Ihre Domäne: Die perfekte Symbiose zwischen klösterlicher Tradition und modernster Technik. Das Resultat: Raffinierte Desserts und einzigartige Süssigkeiten.

Nicht weniger als 65 verschiedene Kreationen hat Paula und ihr Team mit natürlichen Essenzen komponiert. Und damit alle Goldmedaillen gewonnen, die Portugals Gastronomie-Szene zu vergeben hat.

Ihr Genusstempel, die Pastelaria Alcôa, liegt im Zentrum von Alcobaça, genau gegenüber dem ehemaligen Zisterzienserkloster, einer der grössten Klosteranlagen Portugals. Hier, in den alten Kochbüchern und den seit Generationen überlieferten Rezeptarchiven hat Paula ihre Inspirationen und lukullischen Anregungen gefunden.

Und hier, in den monumentalen Räumlichkeiten taucht der interessierte Gast ein in die jahrhundertealte Geschichte klösterlichen Lebens. Dass dem leiblichen Wohl bereits damals – trotz rigoroser Zeiteinteilung – grosse Bedeutung zugeschrieben wurde, beweist wohl die 18 Meter hohe Klosterküche. Und damit wäre auch der Bogen zurück zu Paula, unserer so engagierten Zuckerbäckerin, wieder geschlagen.

Blick auf die Monsterwellen

Mit einem Schlag wurden er und der Strand weltberühmt. Garrett McNamara und der Praia de Norte. Im Jahr 2011 bezwang genau hier der hawaiianische Big-Wave-Surfer eine 23.77 Meter hohe Monsterwelle und stellte einen neuen Guinness-Weltrekord auf, der in der Zwischenzeit vom deutschen Sebastian Steudtner auf unglaubliche 26.21 Meter hochgeschraubt worden ist.

Den besten Blick auf das halsbrecherische Treiben der besten Surfer der Welt hat man vom Dach des alten, rot schimmernden Leuchtturms. Im Inneren der historischen Burganlage befindet sich eine Ruhmeshalle für die weltweit besten Wellenreiter.

Ein leises Schaudern läuft einem über den Rücken. So klein und harmlos wirken die Bretter im Kellergewölbe, so monströs türmen sich draussen vor der Gewölbetür die Wellen von Nazaré auf.

Das bekannte Fischerdorf ist übrigens zweigeteilt: Unten das mit engen Gassen gesäumte Viertel mit Cafés, kleinen Hotels und Lokalen. Oben am Hügel thront die Oberstadt Sitio, die auch Ausgangspunkt zum Mekka der Wellenreiter ist.


Die Vielfalt in der Einheit

So unterschiedlich die Persönlichkeiten, so facettenreich die Geschichten, eine Gemeinsamkeit verbindet die Topics: die geografische Pulsader Portugals, das Centro de Portugal.

In einer abschliessenden Interview-Runde mit den Schweizer Reisbüroprofis wurden die Stärken der Ferienregion nochmals herauskristallisiert. Unisono war man sich einig, dass es sich lohnt, Centro de Portugal individuell mit dem Mietwagen oder in kleineren Gruppen zu entdecken.

Möglicherweise ist es von Vorteil, andere Gegenden des Landes, wie die Algarve oder Porto, bereits besucht zu haben. Immer wieder werden die Schönheit der unterschiedlichen Landschaften, die kulturellen Sehenswürdigkeiten in den pittoresken Städtchen sowie das traditionelle Essen – neu interpretiert – erwähnt.

«Auf den wilden Felsklippen zu stehen, mit Blick auf das tosende Meer und viel Wind in den Haaren, das ist ein echtes Highlight», meinte eine Teilnehmerin. Und fügte strahlend an: «Centro de Portugal ist noch ein Geheimtipp, von Massentourismus keine Spur».

Die Studienreise wurde unterstützt und begleitet von TAP Air Portugal, von der Region Centro de Portugal sowie Madomis Tours.

Silvio Weilenmann, Portugal