SRV-Branchenumfrage: «Das Tal der Tränen ist durchschritten»

Die Einschätzung der Zukunft ist positiv, das jedoch vor allem aufgrund der schlechten Ausgangslage.
SRV-Medienkonferenz (von links): Olaf Nink (Allianz Partners), Martin Wittwer (SRV Präsident), Walter Kunz (SRV Geschäftsführer) und Prof. Dr. Christian Laessser (Uni St. Gallen). © TI

Anlässlich der Medienkonferenz des Schweizer Reise-Verbands (SRV) wurde die 23. Marktumfrage, die 15. in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Christian Lässer von der Universität St. Gallen, präsentiert.

Christian Laesser (links, Uni St. Gallen) und Olaf Nink (Allianz Partners).

Sie bietet einen Rückblick auf das Corona-Jahr 2021 und einen Ausblick auf die nahe Zukunft. Damit Umsätze nicht doppelt erfasst werden, wurde die Umfrage ausschliesslich bei Retail-Büro durchgeführt.

Kaum Umsatzveränderung

Der Umsatz stabilisierte sich 2021, lag aber immer noch 70% unter demjenigen von 2019. Im Durchschnitt lag dieser bei den befragen Reisebüros mit 1,04 Mio. CHF 1,9% tiefer als 2020. Das zweite Mal in Folge hinterliess die Pandemie deutliche Spuren, denn der Umsatz eines Reisebüros entspricht dem Umsatz eines einzelnen Mitarbeiterenden vor der Pandemie. Kleinere Büros haben eher noch weniger erwirtschaftet, während dem grössere Büros aufholen konnten.

Die Bruttorendite war mit 16% ausreichend hoch um die Personal- und Sachkosten zu decken. Noch immer binden aber die Personalkosten mit 89% einen hohen Anteil des Bruttoertrags. Aufgrund der Kostensenkungen, vor allem durch Anpassungen im Personalbestand, konnte die Nettorendite von einem Vorjahresminus von 3,5% auf 0% angehoben werden. Eine zurückhaltende Entwicklung zeigte sich auch bei der Erhebung von Beratungshonoraren.

Schlussendlich war dies aber nur dank der staatlichen Unterstützung mit Kurzarbeitsentschädigung, Erwerbsersatzentschädigung und Härtefallhilfe möglich.  Die Verantwortlichen des SRV bedankten sich an dieser Stelle vor den anwesenden Medienvertretern bei der Politik.

Aussichten für die nahe Zukunft
Walter Kunz (links, SRV), Christian Laesser (Mitte, Uni St. Gallen) und Olaf Nink (Allianz Partners).

Die Aussichten sind gut, allerdings aus der Pespektive «schlechter kann es nicht mehr werden» erläutert Prof. Dr. Christian Lässer. Im sogenannten Sentiment-Index zeigen sich alle Indikatoren (Umsatz pro Auftrag, Preise und Margen) so hoch wie nie zuvor. Die Branche geht davon aus, 2019 ein Geschäftsvolumen von 85-90% im Vergleich zum Rekordjahr 2019 zu erreichen.

Sofern sie Mitarbeitende finden, der Fachkräftemangel plagt die Reisebranche wie viele andere Branchen auch, planen viele Reiseunternehmen den Personalbestand auf das Niveau von vor der Pandemie und sogar noch darüber hinaus aufzustocken. Allerdings zeichnet sich ein minimaler Strukturwandel ab, denn mittelgrosse Unternehmen scheinen mit geringeren Personalbeständen in die Zukunft zu gehen.

Gedämpfte Nachfrage

Zu beachten ist, dass es sich bei diesen Umfrageresultaten bezüglich der Zukunft um eine Momentaufnahme aus dem Monat Juni 2022 handelt. In Anbetracht der massiv steigenden Energiekosten, höheren Zwangsabgaben (Krankenkasse) und der zunehmenden Inflation muss davon ausgegangen werden, dass die Nachfrage gedämpft wird. Schiesslich fressen diese höheren Kosten einen Teil des frei verfügbaren Einkommens der Konsumenten auf.

Damoklesschwert Ukrainekrieg
Präsident Martin Wittwer und Geschäftsführer Walter Kunz (sitzen).

Die Frage eines Medienvertreters nach dem aktuellen Stand der Branche beantwortet SRV-Präsident Martin Wittwer: «Der Nachholbedarf und entsprechend die Nachfrage nach Badeferien rund ums Mittelmeer ist auf dem Niveau von 2019, allerdings mit kurzfristigerem Buchungsverhalten. Die Nachfrage nach Fernreisen kommt erst schrittweise zurück, stärker Richtung Westen und eher verhalten Richtung Osten. Der Ukrainekrieg ist das über allem schwebende Damoklesschwert  und ich bin überrascht, dass die Nachfrage trotz dieser Krise so hoch ist.»

SRV-Geschäftsführer Walter Kunz erklärt weiter: «In der Schweiz sind wir im Vergleich zum nahen Ausland noch in einer guten Situation. Die Kostensteigerungen seitens der Leistungsträger werden dank dem starken Franken etwas abgedämpft.» (BRA)

Die Grafiken der Studie finden Sie im folgenden Bildgalerie: