«Südafrika ist eine ikonische Destination»

An der Indaba in Durban haben South Africa Tourism und die Regierung ihren künftigen Fokus vorgestellt.
Tourismusministerin Patricia de Lille ©zvg

Zufriedenheit und Zuversicht der südafrikanischen Touristiker sind auf der Indaba in den Hallen des International Conference Centre in Durban überall zu spüren. Auf dem Weg zur Rückkehr auf das Niveau vor der Pandemie will South Afrika Tourism (SAT) das Land stärker in seiner ganzen Vielfalt in Kultur, Gesellschaft und Natur präsentieren.

Der Tourismus im Land befindet sich nach Corona weiter auf dem Weg nach oben und so erscheinen die ambitionierten Ziele von Tourismusministerin Patricia de Lille nicht unrealistisch.

Ziel sind  15 Millionen Touristen

Die Politikerin möchte 2030 gerne 15 Millionen Besucher im Land begrüssen, 2024 lag die Zahl bei 8,9 Millionen. Sie betont, dass sich Südafrika nach UN-Zahlen von allen afrikanischen Ländern am besten von den Folgen der Pandemie erholt habe. Für das erste Quartal vermeldet de Lille 2,6 Millionen Gäste, ein Plus von 3% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

75% der ausländischen Besucher kommen aus anderen afrikanischen Ländern, die Zahl der europäischen Gäste beträgt 1,2 Millionen. An der Spitze liegt unverändert Grossbritannien. Im vergangenen Jahr reisten 349’000 Briten nach Südafrika, 250’000 Gäste kamen aus Deutschland.

Stephan Gotta ©TRAVEL INSIDE

In Österreich und der Schweiz hat es nach Angaben von Stephan Gotta, Trade Specialist von SAT in Frankfurt, kein Plus gegeben. Hier bestehe noch Wachstumspotenzial.

Von Januar bis April 2025 beliefen sich die Besucherzahlen aus der Schweiz auf rund 18’400. Somit konnte eine leichte Steigerung von knapp 6% gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr festgestellt werden. Im April 2025 betrug die Anzahl an Schweizer Besuchern 4099, eine Steigerung von mehr als 17% gegenüber Vorjahr.

Eine Steigerung der Besucherzahlen soll nach den Wünschen de Lilles auch die ökonomische Bedeutung des Tourismus für das Land am Kap der guten Hoffnung weiter verstärken. Bis 2030 sollen 2,5 Millionen in der Branche beschäftigt sein, derzeit sind es 1,8 Millionen. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt soll von 8,8% 2024 bis 2030 auf 10% wachsen.

Indaba als Chance für den ganzen Kontinent

De Lille blickt aber nicht nur auf ihr Heimatland, sie sieht die Indaba als grosse Chance für ganz Afrika. Seit einigen Jahren ist die ehemals südafrikanische Touristikmesse eine Präsentationsfläche für den ganzen Kontinent. Heute trafen sich in Durban an der Ostküste 27 afrikanische Länder, mit Tschad, Burkina Faso und St. Helena gab es drei neue Zuwüchse.

«Dies ist unser Afrika und unsere Zeit. Das können wir auf der Indaba der ganzen Welt zeigen. Sie präsentiert die gemeinsame Zukunft für den Tourismus in Afrika. Für uns ist alles möglich, wenn wir hart daran arbeiten», ist de Lille überzeugt.

Die Zahl der Teilnehmer, die aus 55 Ländern stammten, wuchs auf 9900, ein Plus von 7,7%. 1348 von ihnen präsentierten ihre Destinationen oder das Produkt, die Zahl der Einkäufer betrug dieses Jahr 1037, ein neuer Rekordwert für die vergangenen vier Jahre.

 

Ausbau des Flugangebots stellt Knackpunkt dar
Darryl Erasmus ©zvg

Die Umsetzung der Ziele für die Steigerung der internationalen Besucher steht noch vor einigen Herausforderungen.

Darryl Erasmus, der COO von STA, sieht drei wesentlich Ansatzpunkte. «Wir müssen die Aufmerksamkeit auf unser Land stärken. Das ist eine grosse Aufgabe.»

Dann stehe die Verbesserung des Flugmarktes und der Anbindung Südafrikas weiterhin auf der Liste ganz oben. Die Kunden wünschten Direktflüge, doch hier gebe es Beschränkungen. Eine wichtige Rolle spiele der fast komplette Ausfall von South African Airways (SAA), die international nur nach Sao Paulo und Perth fliegt.

Die Airline plane den Aufbau von Strecken nach Europa, zeitliche Angaben gibt es bislang nicht. Im vergangenen Jahr wurde über neue Flüge von Frankfurt für den Herbst 2025 gesprochen, nun ist davon auszugehen, dass sie frühestens Ende 2026 starten können.

Gotta hofft auf einen schnellen Ausbau der Kapazitäten des Flugangebots. «Das Problem sind die Preise und die hohen externen Kosten.» Es gehe darum, die Preise zu stabilisieren und dort zu halten, denn sie könnten sich schnell von EUR 1200 auf 1500 bewegen.

Land mit hoher Qualität

Einen weiteren Schwerpunkt sieht Erasmus im Image von Südafrika. «Wir müssen verhindern, dass Südafrika als eine Billig-Destination angesehen wird. Wir sind im Gegenteil ein Land mit einer hohen Qualität.»

Südafrika müsse seine regionale Vielfalt besser präsentieren. «Wir verfügen über eine grosse Vielfalt und wir sind eine ikonische Destination. Wir haben viele Wiederholer bei den Besuchern und sie wollen diese Vielfalt der Regionen, Gesellschaften und Kulturen auch entdecken und erfahren. Und auf der anderen Seite wollen die Menschen sie ihnen auch präsentieren. Der Community-Tourism ist im vergangenen Jahr um 9% gewachsen.»

Auch nach Gottas Einschätzung bilde eine regionale Verbreiterung des Angebots eine grosse Chance. Es gebe zahlreiche neue Rundreisemöglichkeiten, die Veranstalter verfügten über tolle Ansätze. Dadurch könnten sie neue Zielgruppen erreichen. Chancen eröffneten sich den Fachveranstaltern durch das Erschliessen neuer Destinationen und Projekte und dem Bau zu ihnen passender Angebote.

Wolfram Marx, Durban