Vom Malergeschäft ins Reisebüro

Die gelernte Malerin Tanja Bertolini arbeitet seit rund einem Jahr als Reiseverkäuferin. Ermöglicht wurde ihr dieser berufliche Wechsel durch das Quereinsteigerprogramm von Hotelplan Suisse.
Tanja Bertolini ©Hotelplan

Tanja Bertolini, Verkaufsberaterin bei Hotelplan Langendorf, hat einen ungewöhnlichen beruflichen Tapetenwechsel hinter sich. Seit rund einem Jahr arbeitet die gelernte Malerin als Reiseverkäuferin. Ermöglicht wurde ihr dieser berufliche Wechsel durch das Quereinsteigerprogramm von Hotelplan Suisse.

Wie Tanja den Einstieg in die Reisebranche erlebt hat, was sie an ihrem neuen Beruf begeistert und vor welchen Herausforderungen sie steht, verrät sie im Interview mit TRAVEL INSIDE.


Tanja, du hast eine Lehre als Malerin abgeschlossen und viele Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Nun bist du seit über einem Jahr Verkaufsberaterin in der Hotelplan-Filiale Langendorf. Warum dieser Wechsel?

Im Laufe der Jahre habe ich in meinem Beruf als Malerin einige Zusatzfunktionen übernommen, sei dies in der Lehrlingsbetreuung oder als Stellvertretung des Geschäftsführers. Da habe ich gemerkt, dass mich ein Beruf ausserhalb der Handwerksbranche auch sehr interessieren würde. Aus diesem Interesse heraus habe ich während meiner Tätigkeit als Malerin auch das Büro-, Fach- und Handelsdiplom erworben. Im Tätigkeitsfeld des Malerberufs gab es aber nicht wirklich Weiterentwicklungs- oder Aufstiegsmöglichkeiten, die für mich in Frage kamen. Zudem änderten sich einige Umstände in der Handwerksbranche und die Freude an meinem Beruf fehlte mir nach und nach etwas. Für mich war klar, dass ich eine Änderung in meiner beruflichen Laufbahn wollte. Ich überlegte mir, wo mir mein Büro-, Fach- und Handelsdiplom nützlich sein könnte und durch meine Leidenschaft fürs Reisen sowie durch mein Hobby Tauchen kam mir die Idee mit dem Reisebüro.

Wie kam es dann zu deinem Einstieg bei Hotelplan Suisse?

Zuerst informierte ich mich darüber, wo ich mir ein entsprechendes Grundwissen aneignen könnte und bin dann auf den Grundkurs Reisebranche der Höheren Fachschule für Tourismus & Outdoor Zürich (IST) gestossen, welchen ich dann auch absolvierte. Ich konnte im Kurs schon viele Destinations-kurse absolvieren, was ich super spannend fand. Kurz darauf bin ich dann auf die Stellenausschreibung von Hotelplan Suisse gestossen und das Eine führte zum Anderen. Ich habe mir damals auch Stellen anderer Reiseveranstalter angesehen – die Konditionen der Quereinsteigerstelle bei Hotelplan Suisse haben mir aber sehr zugesagt. Es wäre für mich nicht in Frage gekommen, ein Praktikum zu absolvieren, was zum Beispiel bei anderen Unternehmen angeboten wurde. Bei Hotelplan Suisse passte einfach alles.

Wieso hast du dich nicht schon bei der Wahl deiner Lehre für die Reisebranche entschieden?

Das Interesse an verschiedenen Ländern und Kulturen hatte ich eigentlich schon früh – richtig aufgekommen ist es aber erst, nachdem ich meine Lehrstelle als Malerin bereits hatte. Zu dieser Zeit hat mir ein handwerklicher Beruf einfach mehr zugesagt.

Was gefällt dir besonders gut in deinem neuen Beruf als Reisefachverkäuferin?

Am besten gefällt mir der Kundenkontakt. Dieser ist sehr intensiv und ganz anders als im Handwerksbereich. Ich finde es toll, dass man mit den Kundinnen und Kunden eine persönliche Beziehung aufbauen kann und vor allem auch, dass man ihre Begeisterung für die gemeinsame Ferienplanung spü-ren kann. Ich merke, dass wir unseren Kundinnen und Kunden etwas vermitteln, das ihnen wirklich am Herzen liegt – das macht Freude. Ausserdem ist kein Tag gleich und ich lerne jeden Tag etwas Neues über die Welt dazu, was extrem spannend ist.

Wo liegen für dich die grössten Herausforderungen?

Am Anfang war es sicherlich all die neuen Systeme und Abläufe kennenzulernen. Ich muss aber auch sagen, dass es überraschend schnell geht, bis man hier einen Überblick hat. Eine andere Herausforderung war, dass ich anfangs oft das Gefühl hatte, ich müsse schon über alles Bescheid wissen. Im Nachhinein merkt man dann aber, dass man mit jedem Verkaufsgespräch dazulernt.

Was vermisst du bei deiner neuen Tätigkeit?

Am meisten vermisse ich die körperliche Herausforderung, die bei einem Büro-Beruf natürlich etwas fehlt. Oft habe ich am Abend dann schon etwas Bewegungsdrang. Sonst bin ich aber sehr positiv überrascht, wie vielfältig der Beruf als Reiseverkäuferin ist. Im Vergleich zum Malerberuf gibt es hier auch breitere Weiterentwicklungsmöglichkeiten, die es einem in kleinen Schritten ermöglichen, sich selbst zu entfalten.

Du hast das Quereinsteigerprogramm bei Hotelplan Suisse durchlaufen. Wie hast du die Zeit in dieser kurzen und sicherlich auch intensiven Ausbildung erlebt?

Im ersten Monat arbeitete ich in der Hotelplan-Filiale Burgdorf, wo ich Schritt für Schritt in alle Tätigkeiten eingeführt wurde – sei dies die Erstellung einer Offerte oder die Ausstellung einer Rechnung. So bin ich dann immer etwas näher an den direkten Kundenkontakt herangerückt, bis ich das erste Mal selbst das Telefon bediente und Kundenanfragen entgegennahm. Am Anfang war ich natürlich richtig nervös. (lacht). Im zweiten Monat arbeitete ich jeweils zwei Tage in der Filiale Langendorf und drei Tage weiterhin in Burgdorf, wo ich meine Einführungszeit abschliessen konnte. Zusätzlich kam ich dann für einzelne Tage an den Hauptsitz in Glattbrugg, wo ich vertiefte Schulungen zu den verschiedenen Buchungssystemen besuchen konnte. Das war extrem hilfreich, da so wirklich alles im Detail angeschaut werden konnte und sich offene Fragen klärten. Der Einstieg war schon eine sehr intensive und herausfordernde Zeit – ich durfte aber auch sehr viel lernen und hatte den Willen, das bestmögliche herauszuholen.

Wem würdest du das Quereinsteigerprogramm empfehlen?

Ich würde das Programm wirklich allen empfehlen, die beruflich etwas Neues erreichen wollen und ihre Leidenschaft fürs Reisen mit dem Beruf vereinbaren möchten. Es ist toll, dass man so etwas erreichen kann, egal was man ursprünglich für eine Ausbildung gemacht hat. Man muss aber definitiv mit Elan dabei sein und gewillt sein, die intensive Anfangszeit durchzuziehen.

Hattest du schon vor dem Antritt des Quereinsteigerprogramms spezielle Kenntnisse oder eine Faszination für bestimmte Destinationen?

Durch meine eigenen Reisen – und vor allem durch mein Hobby Tauchen – kannte ich schon einige Länder und habe mich auch viel darüber informiert, was es da so zu entdecken gibt. Tauchdestinationen wie die Dominikanische Republik, die Malediven und Indonesien kannte ich vor meinem Berufswechsel schon relativ gut. Der asiatische Raum hat mich schon immer sehr fasziniert und ich habe sehr viel darüber gelesen und mich selbst informiert.

Wieviel Fachwissen zu den einzelnen Destinationen konntest du dir im vergangenen Jahr bereits aneignen?

Von meiner eigenen Reiseerfahrung konnte ich schon etwas mitbringen – ganz viele Destinationen kannte ich aber natürlich noch nicht. Ich habe es mir selbst zur Aufgabe gemacht, nach einer Beratung zu einer Destination, die ich noch nicht gut kenne, aus Eigeninitiative nachzuforschen und mich aus eigenem Interesse weiter zu informieren. Zudem finde ich, dass mir der Grundkurs der IST in diesem Bereich sehr geholfen hat und natürlich helfen auch die E-Learnings, die uns Hotelplan Suisse zur Verfügung stellt.

Wie unterstützte dich dein Team bei deinem Einstieg in den neuen Beruf?

Mein Team hat mich in meiner Anfangszeit sehr gut unterstützt. Mein Einstieg war aber sicher auf beiden Seiten eine Herausforderung, da am Anfang natürlich viele offene Fragen vorhanden waren und ich noch nicht das gleiche vernetzte Denken hatte wie meine Kolleginnen. So musste ich am Anfang viel nachhaken, aber ich wurde immer unterstützt, wenn ich irgendwo anstand. Auch bei den Beratungen stand mir mein Team stets zur Seite. Ich habe es aber auch sehr geschätzt, dass sie mich auch einfach mal machen liessen und ich so manchmal etwas ins kalte Wasser geworfen wurde. Ich glaube, das brauchte ich und es hat mich auf jeden Fall schnell weitergebracht.

Welche Erwartungen haben sich bisher bewahrheitet, was hast du dir anders vorgestellt?

Ich glaube, ich kann sagen, dass man sich die Arbeit eines Reisebüros vielleicht oft etwas zu einfach vorstellt. Das habe ich auch bei mir selber gemerkt: Erst jetzt wo ich als Reiseberaterin arbeite ist mir richtig bewusst geworden, wie viel hinter der Zusammenstellung und dem Verkauf einer Reise steckt – man kann nicht einfach einen Knopf drücken und die Reise ist gebucht. Dass so viel Zeitaufwand dahintersteckt und dass sehr vieles im Hintergrund abläuft, habe ich nicht erwartet. Was ich an diesem Aspekt sehr schön finde, ist, dass man immer auf die Unterstützung der Mitarbeitenden im Hintergrund – das heisst der Abteilungen bei uns am Hauptsitz – zählen kann, wenn man alleine irgendwo mal nicht weiterkommt. Ich bereue es also auf keinen Fall, dass meine Arbeitswelt nicht mehr nur verschiedene Farben beinhaltet, sondern die gesamte bunte Welt abdeckt.

Yannick Suter / Bianca Gähweiler