
Etliche Länder und Destinationen im Nahen und Mittleren Osten sind unter Einhaltung gewisser Vorschriften für touristische Reisen offen, andere wiederum sind derzeit ganz geschlossen. Zudem sind einige Ziele auf der Liste der Risikoländer des BAG, eine 10-tägige Quarantäne bei Rückkehr also vorgeschrieben. Eine der wichtigsten Destinationen, die V.A.E., sind auf der neusten Liste nicht mehr aufgeführt, dürften dementsprechend wieder mehr Nachfrage generieren.
TRAVEL INSIDE hat einige Spezialisten zum aktuellen Stand und zu den Aussichten für diese – je nach Quelle unterschiedlich abgegrenzte Region – befragt. Es sind dies:
Reto Amin, Geschäftsführer Amin Travel
Carmen Doré, Managing Director FTI Touristik AG
Marcel Gray, Product Manager Arabien Let’s go Tours
Christoph Huckele, Head of Marketing Knecht Reisen (Antworten aus Sicht von Kira Reisen für die zentralasiatischen Länder)
Philippe Raselli, Managing Director Holiday Maker Tours
Lucien Sweet, Lead Product Manager Arabia & Indian Ocean, Travelhouse (Hotelplan Suisse)
Welche Länder/Destinationen in dieser Region können Sie derzeit mit relativ gutem Gewissen noch anbieten?
Amin: Wir bieten in der Region nur Jordanien an, welches aktuell leider auf der Quarantäneliste des BAG ist.
Aktuell und eigentlich seit jeher ist Ägypten problemlos und nahezu ohne Einschränkungen – bis auf die üblichen Hygienemassnahmen – bereisbar.
Doré: Die Entscheidung, ob ein bestimmtes Angebot gebucht wird und die Reise unter den gegebenen Bedingungen ausgewählt wird, obliegt dem Gast. Wir sehen es insofern als unsere Aufgabe, für mittel- bis langfristige Ferien ein möglichst breites Angebot aufzustellen und für kurzfristige Wünsche maximal transparent darzustellen, welche Reisen aktuell wie möglich sind. Wir haben daher unser Länderportfolio im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten unverändert beibehalten.
Im Übrigen möchten wir an dieser Stelle auf ein erfreuliches Update hinweisen: Laut jüngster Liste des BAG sind die V.A.E. nicht mehr als Risikoland aufgeführt und damit wieder sehr gut bereisbar. Speziell Dubai ist bei FTI-Gästen sehr beliebt – aufgrund der neuen Bewertung werden wir unseren Fokus jetzt noch einmal stärker auf Dubai setzen.
Gray: Wir bieten aktuell vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate, mit Ausnahme des Emirats Abu Dhabi, an.
Huckele: Aktuell sind Uzbekistan, Kirgistan und Kazakstan bereisbar. Die drei Länder verlangen zur Einreise einen negativen PCR-Test, auf der BAG-Liste sind sie Stand heute nicht. Geschlossen ist Turkeminstan, Tajikistan erteilt keine Reisevisa.
Raselli: Ab dem 19. April gilt für Rückreisende aus den Vereinigten Arabischen Emiraten keine Quarantänepflicht mehr (von der BAG-Liste gestrichen worden). Für Kulturhungrige sind auch Usbekistan und Kirgistan eine Option: für diese Länder braucht es einzig einen 72 Stunden alten, negativen PCR Test für die Einreise.
Sweet: Die Vereinigten Arabischen Emirate sind weiterhin ein beliebtes Reiseziel. Dubai hat mit der Grenzöffnung im Juli 2020 gezeigt, dass es mit einem durchdachten Einreisesystem und zahlreichen Hygiene- und Sicherheitsmassnahmen möglich ist, den Tourismus am Leben zu halten. Zudem haben die VAE grosse Fortschritte bei der Impfkampagne gemacht, was sich ebenfalls positiv auf den Tourismus auswirkt.
Gibt es Anfragen oder gar Buchungen für Ziele in dieser Region?
Amin: Da Jordanien aktuell auf der BAG-Liste ist, verzeichnen wir keine Anfragen und Buchungen. Für Ägypten hat die Nachfrage in den letzten vier bis sechs Wochen enorm angezogen, gerade weil Ägypten eines der wenigen Länder in näherer Distanz ist, welches gut bereisbar ist und noch nie auf der BAG-Liste war.
Doré: Ja, insbesondere für die Emirate. Wir erwarten jetzt für diese Region nochmals einen Push im Last-Minute-Bereich. Für kurzfristiges Reisen stehen die Buchungszahlen in direkter Relation zur BAG Liste – wird eine Destination nicht mehr als Risikoland eingestuft, steigt die Nachfrage sofort merklich an.
Gray: Wir erhalten aktuell nur begrenzt Anfragen und Buchungen für die Region. Da die Emirate nun nicht mehr auf der Q-Liste des BAG stehen, rechnen wir mit kurzfristigen Buchungen für den Frühling. Aufgrund der fortgeschrittenen Impfsituation in den VAE dürften diese auch nicht mehr auf die Liste zurückkehren.
Huckele: Zurzeit sind einige Kunden in Uzbekistan unterwegs, die Reisen verlaufen nach deren Rückmeldungen problemlos. Bei Kira Reisen sind einige Anfragen für die Region eingegangen, wenn auch auf deutlich tieferem Niveau. Das Interesse an der Destination ist nach wie vor latent vorhanden.
Raselli: Als sich die Emirate noch nicht auf der Liste des BAG befanden (Dezember, Januar, Februar) sind diese den Umständen entsprechend gut gelaufen. Als sie jedoch auf die Quarantäneliste genommen wurden ist die Nachfrage stark eingebrochen. Deshalb freut es uns, dass die Emirate wieder von der Liste genommen wurden. Die Anfragen für die zentralasiatischen Länder halten sich in Grenzen.
Sweet: Für Dubai, Ajman, Ras Al Khaimah und Fujairah verzeichnen wir Buchungen, jedoch auf tiefem Niveau. Das Interesse für Reisen in den Oman und nach Jordanien ist vorhanden, eine Einreise in den Oman ist momentan jedoch noch nicht möglich. Jordanien hat relativ komplexe Einreisebestimmungen inklusive negativem Corona-Test bei der Einreise, was die Nachfrage trübt.
Wenn ja, für welche und für welche Jahreszeit?
Amin: Für Jordanien nichts. Generell werden die Reisen viel kurzfristiger gebucht. Sprich Abreise in den nächsten ein bis sechs Wochen. Mittlerweile treffen aber auch vermehrt Anfragen für den Herbst ein.
Doré: Die Emirate sind auch längerfristig für Reisen ab dem späteren Herbst für die Wintersaison 2021/22 gut gebucht. Bei den Nachbarländern sieht es da noch eher verhalten aus.
Gray: Die meisten Anfragen und Buchungen erhalten wir derzeit für die VAE sowie das Sultanat Oman. Hauptsächlich für das 4. Quartal 2021 sowie das 1. Quartal 2022.
Huckele: Da die Sommermonate sehr heiss sind, konzentrieren sich Anfragen auf die Frühlings- und Herbstmonate.
Raselli: Momentan sind die Anfragen und vor allem die Buchungen eher kurzfristig. Vereinzelt gibt es Anfragen für den Herbst/Expo.
Sweet: Für die kommenden Sommermonate ist die Nachfrage momentan noch auf tiefem Niveau. Die neue Anfragen sind hauptsächlich für die Zeit ab Oktober 2021.
Wie schätzen Sie persönlich die Lage in dieser Region ein?
Amin: Aktuell sind die Fallzahlen in Jordanien viel höher als in der Schweiz. Aber wie wir das bei vielen Ländern sehen, kann sich das sehr schnell ändern und Prognosen sind enorm schwierig.
Ich bin selbst kürzlich zwei Wochen durch ganz Ägypten gereist. Es war sehr entspannt, weil die Temperaturen warm sind und man dadurch den Tag sowieso praktisch nur im freien verbringt – inklusive allen Mahlzeiten, die man auf den Terrassen der Restaurants einnehmen kann. Die Sehenswürdigkeiten haben normal geöffnet und kann so wie zu «alten» Zeiten reisen. Nur die Hygienemassnahmen, die wie bei uns auch allgegenwärtig sind, erinnern einem an Corona.
Doré: Die Länder im Orient sind, speziell in den touristisch attraktiven Regionen, sehr gut organisiert, die Infrastrukturen sehr modern und auf die Situation gut angepasst worden. Die Impfquote ist teilweise auch schon sehr hoch. Der komplette Restart für den Tourismus liegt, was die ergriffenen Massnahmen und Umsetzungen betrifft, hier weitgehend schon in greifbarer Nähe.
Gray: Grundsätzlich unterscheiden sich die Länder in der Region teilweise stark voneinander, was die Bewertung und konkreten Massnahmen in Bezug auf die Pandemie angeht. Somit kann diesbezüglich keine allgemein gültige Aussage für die gesamte Region getätigt werden.
Huckele: Die bereisbaren Destinationen gehen in unseren Augen gut mit der Situation um, praktisch die gesamte Infrastruktur ist offen und funktioniert. Es wird rasch auf Änderungen reagiert, Hygienemassnahmen bestehen und werden eingehalten, Impfprogramme sind in einigen Ländern angelaufen.
Raselli: Die Region ist grundsätzlich sehr gut bereisbar, der grösste Teil der Sehenswürdigkeiten ist geöffnet und die Infrastruktur sehr gut zugänglich. Hygienemassnahmen werden strikt umgesetzt und was die Impfrate anbelangt sind uns die VAE ein grosses Stück voraus (knapp 25% der Residents sind bereits vollständig geimpft). Für den Gast ist es ein grosser Vorteil, dass die Hotels momentan nicht zu 100% ausgelastet werden dürfen, d.h. es gibt mehr Platz am Strand, am Pool und im Restaurant.
Sweet: Die Länder in dieser Region muss man differenziert betrachten. In manchen Ländern sinken die Fallzahlen bereits wieder (VAE). Es gibt aber auch Länder, die aktuell relativ hohe Fallzahlen aufweisen (Jordanien, Iran, Katar, Bahrain).
Nun steht der Ramadan vor der Tür, eine traditionell sehr gesellige Zeit. Die meisten Länder werden nun erstmals die Vorschriften genau kontrollieren, damit die Fallzahlen während des Ramadans nicht steigen. Dann kommt der Sommer und die Hitze und damit die ruhigste Zeit im Jahr. Da verlegt sich das Leben tendenziell ins Innere. Für dieses Jahr erwarten wir jedoch ausnahmsweise mehr Buchungen im Sommer als in den vergangenen Jahren.. Für die Wintersaison, das heisst ab Oktober 2021, bin ich zuversichtlich, dass Reisen in den Nahen und Mittleren Osten wieder möglich sein wird.
Wie sieht es bezüglich Infrastruktur aus (Hotels, DMC, Geschäfte, Entertainment usw.) – mussten Unternehmen schliessen bzw. werden bei einer Normalisierung nicht mehr geöffnet?
Amin: Wie überall im Tourismussektor wird es auch in Jordanien wohl zu Schliessungen und Übernahmen kommen. In welchem Ausmass kann man aktuell noch nicht abschätzen.
In Ägypten wurde das Angebot an Hotels etc. natürlich auch massiv heruntergefahren und in diesem Bereich wird es sicher zu einer Bereinigung und Übernahmen kommen. Allerdings muss man auch sagen, dass der ägyptische Tourismus seit Jahrzehnten krisenerprobt ist und und auch diese Krise überstehen wird. Die Grenzen waren immer offen und etwas Tourismus gab es stetig, wenn auch auf kleiner Flamme. Im Gegensatz zu früheren Krisen war man dieses Mal sehr bemüht, den Inlandtourismus anzukurbeln, was punktuell gut funktioniert hat.
Doré: Die Tourism Boards informieren hierzu sehr intensiv, beispielsweise veröffentlicht Dubai regelmässig Updates, was mittlerweile wieder geöffnet hat oder unter welchen Bedingungen besuchbar ist. Alles in allem ist das Angebot natürlich noch nicht auf dem Niveau wie vor Corona, aber die Auswahl an Hotels und die Palette an Ausflügen, Veranstaltungen und Aktivitäten ist doch schon wieder sehr gross.
Gray: Aktuell dürfte der ganz grosse Teil der Infrastruktur erhalten bleiben. In bestimmten Unternehmen gab es Restrukturierungen der Organisation, jedoch sind alle unsere Partner weiterhin für unsere Kunden da und bieten den bekannten Rundum-Service von Let’s go Tours.
Huckele: Unsere Agenturen vor Ort bestehen nach wie vor, auch die Ansprechpersonen sind nach wie vor die gleichen. Das ist wichtig für kontinuierlichen Informationsaustausch und Qualitätssicherung. Wie überall im Tourismus wird Corona jedoch leider auch an diesen Destination Opfern fordern.
Raselli: Einige der Hotels sind vorübergehend geschlossen. Es ist nicht auszuschliessen, dass das eine oder andere Hotel zugeht, respektive unter neuem Namen eröffnet wird. Aber dabei handelt es sich um keine Hotels, die relevant für den europäischen Markt sind. Was die medizinische Infrastruktur wie Spitäler/Ärzte angelangt ist der Gast in den Emiraten sehr gut aufgehoben.
Sweet: Die Hotellerie und die DMCs haben das Jahr 2020 überstanden. Manche Hotels hatten vorübergehend geschlossen, von Schliessungen oder Insolvenzen in der Region habe ich aber nichts gehört und ich hoffe, dass dies so bleibt . Viele Hotels und DMCs haben aber Personalkürzungen vorgenommen. Das hat man in den VAE zum Beispiel an Weihnachten/Neujahr gemerkt: Die hohe Nachfrage nach Ferien in den VAE kam für sie überraschend und darum hat der Kundenservice teilweise unter den Personalkürzungen gelitten. Wichtig wird sein, dass nun wieder genügend Personal eingestellt wird, um den gewohnten Service bieten zu können.
Was das Entertainment anbelangt gibt es ein grosses Fragezeichen. Die grossen Freizeitparks in den VAE werden es wohl mit Unterstützung von Investoren und/oder dem Staat überleben. Kleinere Attraktionen könnten aber leiden.
Welche Länder/Destinationen werden Ihrer Meinung nach am schnellsten zu einer gewissen Normalität zurückfinden und wieder ohne grosse Einschränkungen bereisbar sein?
Amin: Dazu können wir leider keine Einschätzung abgeben, da wir nur Jordanien in der Region anbieten.
Aber in Ägypten ist dies praktisch schon der Fall. Ich denke, viele Länder werden in den nächsten Monaten auch wieder öffnen, sobald die Impfprogramme vorangetrieben werden und die Fallzahlen sich stabilisieren.
Doré: Letztlich hängt dies von der Entwicklung der Pandemie ab, die wir nicht vorhersehen können. Als reine Momentaufnahme deutet aktuell vieles darauf hin, dass sich die Emirate am Schnellsten erholen könnten. Generell müssen wir, zumindest solange das BAG die Liste der Risikoländer führt, flexibel bleiben und dem Gast den besten Service mit grösstmöglicher Sicherheit und Flexibilität bieten, sodass er seine Ferien sorglos buchen und geniessen kann.
Gray: Dies dürften zuerst die VAE sein, mit Ausnahme des Emirats Abu Dhabi, welches die Einreise ohne Quarantäne bei Ankunft wohl noch etwas nach hinten schieben wird. Danach ist zu erwarten, dass Länder wie Jordanien, Katar oder Oman ebenfalls schon in einigen Monaten ohne grosse Einschränkungen bereisbar sein dürften.
Huckele: Die erstgenannten Uzbekistan, Kirgistan und Kazakstan werden in unseren Augen als erste wieder zur Normalität finden, während wir in Turkmenistan und Tajikistan sicherlich noch etwas geduldiger sein müssen.
Raselli: Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden es die Länder sein, die am schnellsten impfen. Israel und die V.A.E. werden wohl die ersten sein, die wieder eine gewisse Normalität bieten können. Auch Katar wird bald wieder normal bereisbar sein. Leider ist der Oman was die Impfzahlen anbelangt eines der Schlusslichter der Region – aber die Kunden erwarten die Öffnung mit grosser Ungeduld und es besteht ein grosser Nachholbedarf für das Sultanat.
Sweet: Für die VAE bin ich sehr zuversichtlich. Auch angesichts der bevorstehenden EXPO bin ich überzeugt, dass die Destination gefragt sein wird. Zudem hoffe ich sehr, dass der Oman bald einen Plan für die Wiederöffnung präsentiert. Die Destination kann zu einem Gewinner des Post-Covid Tourismus werden. Für Katar erwarte ich relativ bald eine Wiederöffnung und bin positiv gestimmt, dass diese gelingen wird.
(TI)
