Wie steht es um die Ferienmessen 2025?

Stephan Amstad und Mario Kovacevic informieren, wie die Messe-Vorbereitungen voranschreiten – und wie es um die Anmeldungen der Aussteller steht.
Mario Kovacevic (l.) und Stephan Amstad beim Video-Interview. ©Screenshot Teams/Montage: TRAVEL INSIDE

Ist bereits bekannt, welches Gastland dieses Jahr in Bern und Zürich vertreten ist?

Stephan Amstad (SA): Nein, für Zürich noch nicht. Wir führen Gespräche. Aber es ist nicht immer so einfach, ein geeignetes Gastland zu finden. Es sind auch Kosten, die diese Länder haben. Die Kosten müssen gedeckt sein. Sei es in Bern, oder auch in Zürich, müssen wir mit einer gewissen Minimalgrösse auftreten.

Eine gewisse Repräsentanz wird von den Besuchern erwartet und auch eine gewisse Informationsplattform. Sowie ein Austausch, wo man nicht nur Fakten über eine Destination bekommt, sondern auch das Kulinarische drin hat. Oder eben eine Kultur kennenlernt.

Mario Kovacevic (MK): Das kann ich so bestätigen. Es muss eine gewisse Masse kommen, dass wir das als Gastland ins Rennen schicken können. Wenn man einem Land so ein Label anheften kann, muss es Fleisch am Knochen haben.

Das hat sich bei beiden Messen bis dato nicht ergeben. Würde es so bleiben, ist das kein dramatischer Case. Es ist immer schön, wenn du etwas hast, was du kommunikativ mittragen kannst. Wenn das nicht der Fall ist, sind die beiden Messen als solches allein schon Stars genug. Wir brauchen nicht immer zwingend ein Gastland, wenn es eines hat, super, wenn nicht, dann haben wir genug andere Inhalte, die wir gut anpreisen dürfen.

Wie gross sind die Chancen, dass es doch noch eines gibt?

MK: 50:50

SA: Wir hatten Diskussionen und das hat doch ein paar Monate gedauert. Das Interesse war sehr gross. Aber bekanntlich ist es immer ein Entscheid der Destination. Die Leute, die dafür in der Schweiz verantwortlich sind, würden gerne etwas machen, aber entschieden wird am Hauptsitz. Ich sage nicht spezifisch Italien sei es gewesen, aber es sind immer Diskussionen, die wir mit den Regionen haben, die dann die Zentralen entscheiden.

Ist der finanzielle Aufwand so gewaltig, wie viel kostet es ein Gastland?

SA: Der Aufwand ist schon gross. Wir können das offen darlegen, rein von der Fläche sind wir bei 30’000 Franken. Hinzu kommt der Stand, das Personal, die Spesen usw.

Der SRV findet jedes Jahr ein Gastland, das sie einlädt für die GV. Das kostet wesentlich mehr?

MK: Der SRV preist rund 150 Spezialisten aus dem Tour Operating vom Schweizer Markt an. Der Entscheidungsträger vom Gastland macht eine Multiplikationsrechnung. Er hat eine vielfache Chance, in den Markt zu gelangen über diese Vertriebskanäle und sieht da ein konkretes Potenzial. Denn da sind Entscheidungsträger. Wir bieten das auch, aber es ist eine andere Plattform.

Aber die Ferienmessen sind sowohl B2C als auch B2B?

MK: B2C in erster Linie, B2B hintergründig definitiv auch. Die Leute, die bei der SRV-GV teilnehmen, sind grösstenteils zumindest an einem Tag sicher auch sowohl in Bern wie auch in Zürich unterwegs. Jeder, der von der Destination vor Ort wäre, könnte natürlich auch B2B, sprich Business, generieren. Letztendlich ist es eine andere Ausgangslage.

Wie laufen die Vorbereitungen für die beiden Messen, was steht gerade an?

MK: Jetzt im Oktober sind wir schon im letzten Quartal der beiden Ferienmessen. Stefan Amstad hat den Fokus einzig und allein auf der Fespo, die hat eine grosse Dimension. Ich selbst bin derzeit auch noch parallel stark mit der Camping- und Caravan-Messe beschäftigt, das ist eine ziemlich grosse Messe.

Bei den Ferienmessen müssen wir schon jetzt die Einteilungen machen. Wir sind immer noch die Anmeldungen am Reinholen, bekanntlich ist die Anmeldungsmoral unserer Ausstellenden eher schleppend.

Das ist schwierig für uns, je später die Reaktionszeit der Partner ist, desto schwieriger ist es für uns in der Planung und Umsetzung. Du kannst keinen Plan kommunizieren, bei dem ein Drittel noch nicht drin ist. Spekulativ kannst du auch nicht unterwegs sein. Denn plötzlich sendest du ein Signal aus, das falsch wahrgenommen oder verstanden wird.

Es ist eine Challenge, aber das macht die beiden Ferienmessen auch spannend in der Bearbeitung.

SA: Was mir auffällt gerade bei den Destinationen: Da geht es sehr viel über die Agenturen. Die Agenturen müssen das Feedback bekommen. Sie müssen es zurückspielen und bestätigen. Dies sind Abläufe, die früher viel schneller gegangen sind.

Dadurch, dass wir die Messen im Januar haben, kommen die Budgets sehr spät. Gerade bei den Destinationen reden wir noch nicht von 50% der Destinationen, die jetzt drin sind. Wir sollten jetzt dann aber, so in den nächsten 2-3 Wochen mit dem Hallenplan anfangen.

Eigentlich war für uns der Fokus immer klar, dass wir bei der SRV-GV einen fertigen Hallenplan haben wollen. Das hat sich gegen hinten verschoben. Dies bedeutet, dass alles noch knapper wird. Gerade bei Destinationen, wenn es grössere Stände hat, ist es schwierig.

Ich habe jetzt auch Aussteller, die fragen, ob wir einen Hallenplan haben. Wissen wollen, wie der Plan aussieht, fragen, wer ihr Nachbar ist. Der Gap zwischen den Ausstellern, die sich noch nicht angemeldet haben und zu Ausstellern, die sich schon angemeldet haben, und auch schon ein fertiges Standkonzept haben, ist enorm gross geworden. Das ist die Schwierigkeit, die wir bei der Planung haben.

Wie konkret ist der Buchungsstand für Bern und Zürich, schon mehr als die Hälfte oder darüber?

SA: Ja, die Hälfte haben wir schon. Das ist immer so, beim Frühbuchrabatt müssen wir etwa die Hälfte haben.

MK: Also wir sind gut mit der Quote. Es ist auch keine beunruhigende Entwicklung, so dass wir uns jetzt Sorgen müssten für eine Umsetzung.

Das heisst, die Ferienmessen finden definitiv statt?

MK: Natürlich, absolut. Das ist kein Thema. Wir haben lediglich geschildert, wie die Anmeldungen zu den Erschwernissen in der ganzen Planung führen können. Aber, weshalb ist der Eingang der Anmeldungen zunehmend schleppend?

Meine Vermutung ist, dass in vielen Köpfen der Entscheid, dass man an die Messen gehen will, schon längst gefallen ist. Aber es ist eine reine administrative Amtshandlung, die am Schluss noch die Verbindlichkeit am Ganzen gibt. Das ist auch ein rechtlicher Schritt, der vollzogen werden muss.

Werden die Ferienmessen im Vorjahresvergleich gleich gross oder kleiner in Bezug auf die Fläche?

MK: Für Bern gesprochen, wir wollen gerne auf dem Niveau sein wie im Jahr 2024. Mindestens. Das waren zwei volle Hallen und eine relativ grosse Vortragsplattform, die wir in der ganzen Halle wiedergeben konnten. Das ist mittlerweile ein unabdingbarer Inhalt geworden. Es ist letztendlich eine erweiterte Präsenzmöglichkeit für die Aussteller. Davon wird rege Gebrauch gemacht, was sich auch wieder auf die Besucher auszahlt.

Von wie vielen Quadratmetern reden wir hier?

Das sind rund 20’000 Quadratmeter Inhaltsfläche. Das ist das, was der Besucher vorfindet, wenn er den ersten Schritt in unsere Eingangshalle macht. So muss man das auslegen. Wenn wir jetzt in die Fläche gehen, das ist wieder die andere Optik. Die verkaufte Fläche ist die Nettofläche. Dann müssen wir hier müssig im Thema landen. Dann müssen wir noch die Gangbreite abziehen, die sicherheitsmässig vorgeschrieben ist, etc.

Wichtig ist die Wahrnehmung des Besuchers. Das sind im Prinzip drei Hallen, die er mit Reise-Inhalten vorfindet. In Oerlikon ist es eine andere Ausgangslage, doch es geht in die gleiche Richtung.

Ist die Fläche in Zürich auch so gross wie im letzten Jahr, oder ist das Ziel, sie noch mehr zu füllen?

SA: Wir haben ja noch eine Halle 2, eine Halle 7, die wir noch belegen können. Ich gehe auch davon aus, dass es sicher wieder die 5 Hallen werden.

Was sehr erfreulich ist, aber das merkt man auch, das sind die Langstrecken, komplizierten Reisen. Die sind wirklich beliebt. Ich habe schon angefangen mit der Hallenplanung. Die wird komplett voll sein. Ich habe da Themen drin, wo ich weiss, die Aussteller kommen oder sie haben Interesse. Aber die Anmeldung ist noch nicht da.

Also wird Zürich grösser als im letzten Jahr?

SA: Nein, in dem Sinne nein.

Gibt es eine Deadline für die Aussteller?

MK: Nein. Das ist eine ganz einfache Frage. Wir müssen einfach flexibel sein. Nein, in den letzten beiden Jahren habe ich die letzten ein, zwei Flächen in der letzten Woche vor der Messe noch unter Dach und Fach gebracht.

Du bist schon sehr froh, hast du dann mehr Inhalt, mehr Aussteller, die irgendwo auch wahrgenommen werden für den Besucher. Die Messe lebt von Inhalt, von den Ständen, vom Content.

Hat die Absage der Ferienmesse Basel nicht geholfen?

MK: Nein, das hat uns nicht geholfen. Wir haben uns nie Sorgen gemacht. Es wäre schön gewesen, rein für ein Commitment zum Format Messe, wenn sie den Flug hätten ansetzen können. Aber es hat leider nicht funktioniert. Uns tut es leid.

Wir wollen weiterhin an die Branche und an die Partner glauben. Solange die Aussteller gewillt sind, ihre Kunden im Rahmen der Messe zu betreuen und Umsatz zu generieren, was nach wie vor das Ziel ist. Keiner kommt, um Images oder Quoten zu steigern. Die wollen Business generieren und das können sie nach wie vor.

SA: Es gibt auch positive Dinge. Wir haben mit grösseren Partnern auch wieder für dieses Jahr und auch schon das nächste Jahr Mehrjahres-Verträge abgeschlossen. Das machen wir eigentlich nicht so oft, aber es ist doch auch ein Zeichen, dass die Branche hinter uns steht. Das ist ein Signal, dass Zürich und Bern die Leitmessen sind für diese Plätze. Zusammen kann man den Schweizer Markt besuchen und bearbeiten.

Gibt es bei den Ausstellern eine Präferenz für entweder Bern oder Zürich?

MK: Dies ist eine berechtigte Frage. Die Antwort ist relativ einfach: Wir sind die einzigen zwei Messen in der Reisebranche in der Schweiz. Weshalb besteht Zürich neben Bern und umgekehrt? Es ist die geografische Verteilung des Marktes. Wir haben in Zürich das Zürcher Publikum, den geografischen Zürcher Radius, wo die Stadt Zürich per se schon ein riesiges Potenzial hat, rein von der Masse her. Wir befinden uns dort im Radius der Nordostschweiz, Ausläufer in St. Gallen, denn die Messe dort gibt es ja auch nicht mehr.

Und Bern befindet sich geografisch auf der anderen Seite. Wir haben eine geografische Verteilung, die beide Messen am Leben erhält. Man könnte jetzt sagen, eigentlich könnten wir doch nur ein Format machen. Doch dies würde nicht funktionieren, wir haben das auf Herz und Nieren geprüft.

Es ist einfach so, dass der Zürcher nicht unbedingt nach Bern an eine Messe gehen würde und der Berner würde genauso wenig nach Zürich an eine Messe gehen. Das ist ein Faktor, der eine Rolle spielt. Das ist eine reine Markt-Frage.

Aber für die Bernexpo sind beide Messen finanziell lohnenswert?

MK: Ja, definitiv. Das sind gute Formate. Wäre dem nicht so, hätte man sowohl der einen wie der anderen Messe abgesagt. Im Rahmen der Pandemie, hatte man die Chance gehabt, den ‘Gnadenstoss zu setzen’, wenn es nötig gewesen wäre. Aber das haben wir nicht. Es sind Messen, die profitabel sind. Sonst würden wir hier nicht sitzen.

Kommen Aussteller aus den letzten Jahren wieder?

SA: Es ist halt einfach so, dass die Destination nicht doppelt springen können. Wenn zum Beispiel die Destination Deutschland, welche wir gerne in Bern und Zürich hätten, und auch ein sehr grosses Interesse hätten zu kommen, aber die Zentrale sagt Nein, dann müssen wir das akzeptieren. Bei den TO sind wir wirklich sehr gut abgedeckt.

Kommen alle 4 grossen Reiseveranstalter?

SA: Absagen haben wir in dem Sinne noch nicht. Aber es sind Diskussionen mit einem Veranstalter am Laufen, der das Ganze noch ein bisschen überdenkt. Diese Argumentationen finden wir noch spannend. Aber von den Grossen kann man eigentlich schon sagen, wir haben sie.

Und dann haben wir doch auch wieder Neuzugang. Mario hat jetzt beispielsweise auch Silversea, die jetzt zum ersten Mal nach Bern gehen. Es gibt auch Veranstalter, die sagen, jetzt gehe ich mal nach Bern, dafür nicht nach Zürich und das ist auch ganz okay.

MK: Wir sind ein Vorzeige-Beispiel für Synergie-Nutzung in unserer Unternehmung. Und nur kurz angefügt: Nein, es ist keine Nervosität im Raum, die uns Bauchschmerzen bereitet. Die Entwicklungen stimmen so weit. Wie Stefan bereits erwähnt hat, es gibt so ein, zwei Blasen, die noch so ein bisschen in der Schwebe sind.

Interview: Angela Lang


Im TRAVEL INSIDE Print vom Donnerstag, 17. Oktober geben die beiden Messemacher Auskunft über die Zielgruppe der Messebesucher und ihre Meinung zu den Messe-Rabatten.